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Bilder nur auf demselben Wege, nämlich als gefällige Zugabe, nachArt der Embleme, in Erbauungsbüchern an den Mann gebrachtwerden konnten. Dass aber die heutigen Interpreten Holbeins nochimmer aus derselben Quelle schöpfen, wo doch nur noch die geschicht-liche und vor allem die künstlerische Seite unseres Gegenstandes zurSprache kommt, ist weniger natürlich als bedauerlich. — Auf einenTeil dieser Interpretationen werde ich erst bei den einzelnen Bilderngelegentlich eingehen, muss aber vorher die wichtigsten unter ihnenim Zusammenhang erörtern.
Wackernagel war nicht der erste, der auf gewisse neue Mo-mente in Holbeins Totentanz aufmerksam machte. Dies hatte schonGrüneisen gethan und besonders hervorgehoben, dass die Satire Hol-beins ganze Darstellung beherrschte (No. 23, S. 92 f.); diese Satirefand er schon im Kontrast der Toten und ihrer Lebensthätigkeit,dann in ihrem Gegensatz zu den im vollen Leben, mitten in ihrembesonderen Beruf überraschten Lebenden. Wackernagel führte diesweiter aus (S. 363 f.). Auch nach ihm hatte Holbein den altenGrundgedanken der Totentänze, dass vor dem Tode kein Stand undkein Alter sicher sei, tiefer und fruchtbarer gefasst, indem er denTod mitten in den Beruf und die Lust des Erdenlebens hineinbrechenHess. Zu diesem Zweck sollten die einzelnen Paare zu Gruppen vonmehreren Personen erweitert, in abgeschlossene Bilder mit allemmalerischen Beiwerk verwandelt und endlich der Tod in wechselnderWeise, aber nicht mehr tanzend, in die neugeschaffenen Scenen ein-gefügt sein. So wurde aus dem Totentanz eine Reihe von Todes-bildern, deren „Gedichtbeigabe" (in den ersten Lyoner Ausgaben vonCorrozet, dann verschieden übersetzt und ergänzt) Wackernagelgeradezu mit dem alten Totentanztext vergleicht.
So richtig diese Bemerkungen Wackernagels in manchenPunkten sind, so wenig scheinen sie mir das Wesentliche in derHoLBEiNschen Auffassung zu treffen und überhaupt aus einem wirk-lichen Studium der ganzen Bilderreihe hervorgegangen zu sein. Dazusind sie schon viel zu theoretisch aufgebaut. Es ist und bleibt einGrundirrtum, dass Holbein bei seiner Arbeit jenem besonderen Ge-danken : Media vita in morte sumus — oder überhaupt einem be-stimmten Leitmotiv gefolgt wäre. Ich brauche dazu nur auf dieBilder des alten Mannes und der alten Frau, des Abtes, des Edel-manns , des Narren u. s. w. zu verweisen, die auf uns denselben
Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder.
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