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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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ein durch die alte Tradition geheiligter Irrtum, dass die HoLBEiNschenBilder sich schlechtweg mit der wechselnden Schilderung des Todesbefassen. Was haben dieAustreibung aus dem Paradies" und derarbeitende Adam" mit einer Todesscene zu thun ? Wo findet sich einesolche beim Pfarrer (22), Arzt (26), Sterndeuter (27), Geizhals (28),Ehepaar (35), Ackersmann (38), Kärrner (46), endlich beim Siechern(47) ? Dass dabei irgendwie an Tod und Sterblichkeit erinnert wird,oft freilich sehr entfernt, soll ja nicht geleugnet werden; deshalblässt sich aber nicht jedes derartige Bild, dessen Eindruck häufig nurauf eine Stimmung hinausläuft, einfach als Todesbild bezeichnen.Es ist auch nicht schwer festzustellen, woher dieser Irrtumstammt, der unserem Cyklus schon seit Jahrhunderten, seit seinerEntstehung anhängt. Wackernagel selbst findet an ihm ein hervor-ragendes Merkmal der alten Totentänze wieder, den begleitendenText, der allerdings in jeder Zeile wiederhallt von Todesdrohung undTodesnot und daher die Bilder zu Todesscenen stempeln mussfalls die Verbindung beider eine ursprüngliche und organische war.Die Unrichtigkeit dieser Auffassung liegt aber auf der Hand (S. 170).Nachdem die HoLBEiNschen Zeichnungen von Lützelburger geschnittenund bloss mit Überschriften, aber ohne jeden Text in zahlreichenExemplaren gedruckt waren in der zweiten Buchausgabe 1542begegnet man schon kleinen Beschädigungen der Bilder infolge derAbnutzung der Holzstöcke (Massmann ,. No. 48; S. 12) gerietendie letzteren nach Lyon, um nach Jahren in einem Erbauungsbucheals Embleme mit den Versen Corrozets Aufnahme zu finden. DerKünstler Holbein hat also mit dieser Verwendung seiner Zeichnungen,mit der schalen Moral ihres Textes nichts gemein. Da sie jedochseit der ersten Buchausgabe 1538 bis heute beinahe nur in jenerunpassenden Verbindung vertrieben und bekannt wurden, so gewöhnteman sich an diese Erscheinung so sehr, dass selbst Wackernageldarin bloss eine Wiederholung der alten, von Texten begleitetenTotentänze erblickte. Und doch verhalten sich die Reimereien Corro-zets und seiner Übersetzer und Nachahmer bis herab zu Schubert(ScHLOTTHAUERSche Ausgabe) zu den kernigen Wechselreden dermittelalterlichen Totentänze genau ebenso wie die ScHLOTrschenVerse von 1701 zu dem niederdeutschen Text des Lübecker Bildes:in beiden Fällen tritt an die Stelle des Dialogs zwischen Toten undLebenden die salbungsvolle oder polternde Anrede eines Dritten.

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