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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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für völlig verfehlte Skelette und daher für kümmerliche Allegoriendes Todes erklärt wurden. Allerdings soll nicht bestritten werden,dass die Ausführung der HoLBEiNschen Holzschnitte durchaus nichteine gleichmässig gute ist, und dass neben anderen einzelnen Mängelnauch einige Totenfiguren für einen Holbein geradezu ungeschickterscheinen, so z. B. 18, 20. Diese Ausnahmen erschüttern abernicht die Regel und lassen sich in einfacher Weise erklären. Eswird sich noch bei mehreren Anlässen ergeben, dass die Bilder desgrossen Totentanzes weder in einem bestimmt vorgeschriebenenRahmen, noch in einem Zug wie die Dolchscheide und das Alphabet,sondern mehr gelegentlich entstanden, wobei mit der leichten Improvi-sation sich eine gewisse Lässigkeit des Zeichners Holbein verbindenmochte. Andererseits glaube ich den Verdiensten Lützelburgersnicht zu nahe zu treten, wenn ich annehme, dass kleine Versehenin der Körperbildung der Toten, die ja noch immer missverstandenwird und zu seiner Zeit erst recht unbekannt war, ihm zur Lastfallen. Es darf dies um so eher angenommen werden, als die Totendes Alphabets, obgleich sich eine genaue Vorzeichnung nicht ver-kennen lässt, in einer anderen Art ausgeführt sind wie im grossenTotentanz: im Alphabet herrschen, namentlich am Kopf und amBecken, krause Linien vor, die später nicht mehr vorkommen. Esist gewiss natürlicher, dass nicht Holbein, nachdem er die vor-züglichen Skelette der Dolchscheide geschaffen, im Alphabet in jeneManier verfiel, sondern dass die ausserordentliche Kleinheit und dieNeuheit des Gegenstandes den Formschneider dazu verleiteten, waser später an den grösseren und seitdem vertrauter gewordenenFiguren vermeiden konnte.

Aus der anatomischen Prüfung der HoLBEiNschen Totengestaltengeht mit grösster Sicherheit hervor, dass ihre Abweichungen vonwirklichen Skelettbildern beabsichtigt waren und zu bestimmtenZwecken dienen sollten. In den vorholbeinischen Totentänzen wurdedie Darstellung von wirklichen Toten, Verstorbenen verlangt, ob sienun nach dem aus dem Schauspiel stammenden Schema oder nachMumien oder auf Grund unvollkommener anatomischer Kenntnisseals Gerippe gebildet wurden. Dass diese Toten dennoch in ver-schiedener Lebensthätigkeit gemalt wurden, war ein Widerspruch,