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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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jenes Merkmal, wodurch Holbein den Charakter der herkömmlichenToten- und Todesgestalten grundsätzlich änderte, gerade an demmähenden Tod zu wiederholen, dem jede Beziehung zu faunisch-dämonischem Wesen fehlt.

An den Beinen unserer Totenfiguren kann man viele von denam Arm gemachten Beobachtungen wiederholen. Der Ober-schenkel ist bisweilen vom Becken gar nicht getrennt (5, 10, 33,40, 45); allenfalls wölbt sein Höcker die Haut vor wie an einemabgemagerten lebenden Körper. Natürlich kann alsdann die weitereFortsetzung des Schenkels nicht als ein Knochen aufgefasst werden,sondern bedeutet den noch mit allen Weichteilen versehenen Ober-schenkel, an dem denn auch in einigen Fällen Muskelfetzen herab-hängen (5). Aber auch wo eine scharfe Linie sein oberes Ende um-schreibt (Fig. 92), bezeichnet dies nicht ein wirkliches Gelenk. Denndie meisten dieser abgegrenzten Schenkel übertreffen an Fülle nochimmer die Oberschenkelknochen, wie sie auf der Dolchscheide zusehen sind, und zeigen deutliche Muskelfurchen an der inneren undhinteren Seite, die dem Relief des Lebenden entsprechen. DieseBildung lässt sich in den verschiedensten Graden nachweisen, vonblossen Furchen (12, 29, 33, 43) bis zu scharfen Grenzlinien (3, 5,10, 14, 15, 17, 19, 31, 34, 37, 45) und endlich wirklichen Spalten(8, 9, 16, 25, 35), worin sich das Verhalten des Oberarms genauwiederholt: eine allmählich fortschreitende Übertreibung des Muskel-reliefs , bis es skelettähnlich wird, so dass der Eindruck von wirk-lichen Lebensformen mit demjenigen eines allerdings unnatürlichen,phantastischen Skeletts sich mischt.

Auch die Kniescheibe, deren Selbständigkeit Holbein wenig-stens von L. Cranach her kennen musste, hat er bald mit dem Ober-schenkel, bald mit dem Unterschenkel vereinigt, weil er dabei wieder-um der Plastik des Lebenden folgte. Denn bei den verschiedenenStellungen des Knies und dem dadurch bedingten Wechsel der Be-schattung erscheint die durch die Haut hindurch kenntliche Knie-scheibe bald mehr dem einen, bald dem anderen Teil angeschlossen(vgl. 8, 12, 15, 16, 22 14, 26, 27, 31, 33).

Der einfache Unterschenkel entspricht ganz dem einfachenUnterarm; und wie die Trennungslinien des Knie- und Fussgelenksvom Relief des Lebenden auf die Totenfiguren übertragen wurden,ersieht man am besten aus No. 4, wo das rechte Bein Adams und