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Körperteils infolge einer Unkenntnis des Skeletts ist hier ganz aus-geschlossen, da ein solches Schwanzbein an dem vollständigen Körperweit vorragen müsste. Es kann sich daher nur darum handeln, welcheAbsicht Holbein bei dieser willkürlichen Abänderung verfolgte; unddies kann bei einer genaueren Untersuchung nicht zweifelhaft bleiben.
Von vornherein ist es klar, dass, wo jener Anhang an einemnicht skelettierten Becken aus der Oberfläche hervortritt (8, 33, 38,40), er nicht bloss als Skelettteil, sondern geradezu als ein wirklicherSchwanz aufzufassen ist. In 40 ist dieser Schwanz freilich sehrkurz, aber bezeichnenderweise auch höher angebracht, genau so wieman es an Faunbildern zu sehen gewöhnt ist; 8 zeigt etwas Ähn-liches, ebenso der Tote der Braut. In anderen Fällen (17, 33, 37,38) vollenden die etwas spirale Krümmung und die quastenförmigeBildung dieses Anhangs seine Ähnlichkeit mit einem faunischenSchwanz*). Mag Holbein anfangs auch nur zufällig zu der unnatür-lichen Verlängerung des Schwanzbeins gekommen sein, so entwickelteer doch daraus in der Folge mit voller Überlegung den beschriebenenSchwanz. Und was er damit meinte, hat er in 33 ganz unzweideutigangegeben, indem er zu dem vollkommenen Faunschwanz auch nochdas Spitzohr hinzufügte, das freilich aus dem nackten Schädel, aberdeshalb um so unverkennbarer hervortritt**).
Ich glaube nicht, dass man in Holbeins Totengestalten irgendein Merkmal finden wird, das deutlicher als die eben geschilderte,aber, soviel ich sehe, nirgends erwähnte Schwanzbildung darauf hin-wiese, dass ihm bei der Schaffung jener Gestalten ganz andere Vor-stellungen vorschwebten als die Absicht, das menschliche Skelett, sogut er es eben konnte, abzubilden. Freilich wurde er dabei auchvon denen missverstanden, die die geschilderte merkwürdige Schwanz-bildung erkannten. So erblickt man auf einem Altarbild aus dem16. Jahrhundert und angeblich aus Baldungs Schule — es ist Eigen-tum der Gesellschaft für Erhaltung der Altertümer im Elsass — denmähenden Tod als zerfetzte Leiche mit teilweise blossgelegten Knochenund einem sehr auffälligen Schwanz. Zweifellos ist dies eine Nach-ahmung der HoLBEiNschen Totengestalten; es war aber unüberlegt,
•) Mkchkl hat das in No. 16 etwas missratene steife Schwanzbein in seinen Kupferstichen(No. 52), ebenfalls in eine Spiral gedrehte Quaste verwandelt.
**) Bei Schlotthauer ebenso deutlich wie in unserem Lichtdtuck, in der HiRTHschenAusgabe weniger klar zu sehen.