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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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wie die Dolchscheide beweist, teilweise besser kannte als die Zeichnerder anatomischen Skelettbilder jener Zeit. Für diese absichtlicheAbänderung des Beckens finde ich keine andere Erklärung, als dieich schon für die Verwandlung der Bauchgegend an denselbenFiguren angab. Bei so leidenschaftlich bewegten Körpern wie diesenund in ihrer Stellung wären eine Erweiterung des Brustkorbs nachunten zu, eine tiefe Beckenhöhle und eine schlanke Lendenwirbelsäulezwischen ihnen im künstlerischen Sinn von geradezu grotesker Wir-kung gewesen und hätten einen lebenswahren Eindruck der Stellungund Bewegung unmöglich gemacht. Ich zeigte die Mittel, durch dieHolbein einen gewissen Übergang vom Brustkorb zur Lendenwirbel-säule und von dieser zum Becken herstellte (S. 207). Infolgedessenmusste dieses zu einer soliden Masse werden, eine Erfindung, dieunverzeihlich wäre, wenn nicht der Erfolg sie guthiesse. Denn un-leugbar verbindet die Totengestalt in 37 die andere (16) ist aller-dings entschieden schwächer Leidenschaft und lebensvolle Energiemit einer gewissen wohlthuenden Eleganz, während sie uns gleich-zeitig als ein wirkliches Gerippe anmutet. Und damit nicht genug,scheute Holbein sich nicht, in diesen selben und anderen Figuren nochweit unverhüllter über die anatomische Wirklichkeit hinauszugehen,sobald seine Phantasie ihm einen bestimmten Erfolg versprach.Eine besondere und sehr bemerkenswerte Umbildung erfuhrnämlich ein Skelettstück der Beckengegend, das am Lebenden völligverdeckt und unkenntlich bleibt. Die Fortsetzung der Lendenwirbel-säule keilt sich als Kreuzbein zwischen die Beckenhälften oder Hüft-beine ein und verschmächtigt sich darauf zu dem zugespitzt aus-laufenden und aus dem Becken frei hervortretenden Steiss- oderSchwanzbein, das aber am Skelett nur vom Rücken her sichtbarist und am Lebenden in den Weichteilen verborgen bleibt (Fig. 62).An der Totengestalt von 2 5 sieht man, dass Holbein dieses ganzeEnde der Wirbelsäule mehr oder weniger genau kannte. In 34 istfreilich das Kreuzbein nicht deutlich gesondert, dagegen das Schwanz-bein unnatürlich verlängert, so dass es in den Ausschnitt zwischenden gespreizten Beinen hineinhängt. Dasselbe wiederholt sich aufder Dolchscheide und in zahlreichen Figuren des grossen Totentanzes(8, 13, 16, 17, 25, 33, 37, 38, 40), so dass das Schwanzbeinauch von vorn zwischen den Beinen sichtbar wird, meist zu weitnach vorn verschoben. Eine missverständliche Auffassung dieses

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