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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Place and Date of Creation
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Fassen wir das Gesagte zusammen, so hat Holbein das Rumpf-skelett so weit stets entblösst gezeichnet, als es der Vorstellung lebens-thätiger Gestalten und daher den wirklichen Körperformen entspricht(Brust), dagegen dort, wo es für sich allein störend gewirkt hätte(Bauch), in der Regel durch Hinzufügung von Weichteilen oder sonstdurch besonders erfundene Bildungen einen lebenswahren Eindruckerzielt, ohne jedoch ganz auf die Skelettähnlichkeit zu verzichten.Ob er das Recht zu einem solchen souveränen Verfahren hatte ?Wer kann danach fragen, wenn der Künstler seinen Zweck so glän-zend erreichte, den seine Vorgänger noch immer verfehlt hatten,ein völliglebenswahres Gerippe" zu schaffen!

Ähnlich wie in der Bauchgegend liegen die anatomischen Ver-hältnisse am Halse, dessen Skelett, die Halswirbelsäule, sich inner-halb massiger Weichteile befindet und, von ihnen entblösst, einerecht unpassende Stütze des Kopfs darstellt. Deshalb zeichneteHolbein den Hals seiner Toten dicker als jene Wirbelsäule ins-besondere in der Seitenansicht, wo das angedeutete Missverhältniszwischen dem Schädel und seinem Träger am meisten auffälltund versah ihn mit einer Querstreifung als Andeutung der Wirbel(No. 8, 12, 13, 21, 44). Man könnte also sagen, dass er, um demHalse seiner skelettähnlichen Gestalten eine natürlichere Form zugeben, die Halswirbel entsprechend verbreiterte. Doch lässt sich in14, 22, 34 ganz klar eine dünne hintere Partie (Wirbel) von einerdickeren vorderen Masse (Weichteile) und in 26 und 45 sogar eineAndeutung der vorderen Halsmuskeln unterscheiden. Und so wiedie letzteren sich vorn an das Brustbein anheften (45), stossen in 20,33, 39 auch die breiten halswirbelähnlichen Teile unmittelbar an dasBrustbein an, d. h. verhalten sich vorn wie jene Muskeln. Ich schliessedaraus, dass Holbein die ganze Abänderung des Halsskeletts in demSinn ausführte, dass er die davor liegenden Weichteile gewisser-massen mit demselben verschmolz. Eine solche Deutung Ver-wandlung der Muskulatur in knochenähnliche Bil-dungen kann nur so lange gezwungen erscheinen, als man dieGliedmassen unserer Totengestalten noch nicht in derselben Weiseanatomisch geprüft hat; denn für diese ist eine andere Deutung garnicht denkbar.