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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
207
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Wirbelsäule sichtbar werden (5, 6, 13, 16, 18, 23, 34, 39, 45)*). Amdeutlichsten tritt der Gegensatz zwischen dem entblössten Brustskelettund dem unverletzten Bauch in No. 8, 26, 27 hervor, wirkt aberkeineswegs störend, weil der nackte Brustkorb einer mageren Brustmit durchscheinenden Rippen so täuschend ähnlich sieht.

Nur in zwei Bildern fehlen die Weichteile in der Bauchgegendvollständig, in 3 5 und 3 7; dafür wird die dadurch entstandeneLücke in anderer Weise verdeckt oder weniger auffällig gemacht.Erstens hat Holbein, um den unschönen und störenden Gegensatzzwischen dem in Wirklichkeit abwärts verbreiterten Brustkorb undder dünnen Lendenwirbelsäule abzuschwächen, den ersteren um-gekehrt nach unten zusammengezogen und dafür die Lendenwirbelverbreitert. In No. 35 hilft sogar das um die Wirbel geschlungeneBand der Trommel dazu, die Leere etwas auszufüllen, während dievor dem Becken hängende Trommel wiederum dieses natürlich ver-deckt. In No. 37 hat aber Holbein in kühner Erfindung die Lenden-wirbelsäule so weit vorgewölbt, dass sie an die Vorderwand des Beckensanschliesst, wodurch auch die anstössige Höhlung des Beckens ver-deckt wird**). Es wäre dies ein arger Verstoss gegen die Anatomie,wenn Holbein ein richtiges Skelett zeichnen wollte; da es aber einebewusste künstlerische Erfindung ist, so wird man ihr den Vorzugvor der naturgetreuen Bildung in dem so eleganten ersten Skelettder Dolchscheide nicht versagen können. Die weite Lücke derBauchgegend mit ihrer Fortsetzung in die Beckenhöhle entfernt dasletztere Skelett weit von der Gestalt eines Lebenden; jene Ab-änderung an dem Toten des Krämers (No. t>7) verbannt diesenstörenden Eindruck und erinnert uns daran, dass in der dort wieder-gegebenen Stellung des sich gewaltig zurückstemmenden Körpers derLeib notwendigerweise vortreten muss. Und so hindert jener ana-tomische Fehler nicht, dass diese Figur eine der besten und lebens-wahrsten Totengestalten ist, welche Holbein geschaffen hat***).

*) Vorquellende Eingeweide sieht man schon an den Toten des Jünglings und des Krämersim Grossbasler Totentanz (Fig. 56, 77); befanden sie sich aber schon ursprünglich dort oder kamensie erst bei einer späteren Übermalung hinzu? Das Skelett aus den Heures von 1509 und 1515lässt sogar die einzelnen Eingeweide erkennen (Fig. 18).

*) Dasselbe ist in No. 16 versucht, aber weniger glücklich ausgefallen. Dazu kommen dortnoch die erwähnten Eingeweide.

***) Mechfx (No. 52) hat am Toten des Krämers die besprochene Lendenwirbelsäule in einenallerdings unnatürlich schmalen Bauch verwandelt.