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Lageveränderungen zu denken sind. Die Knochen des Rumpfesund der Gliedmassen sind dagegen nicht nur überhaupt gegeneinanderbeweglich, sondern ihre Lageveränderungen sind auch der genaueAusdruck für die Art und das Mass der in ihrem Bereich aus-geführten Bewegungen des lebenden Körpers, so dass diese am Skelettunmittelbar und ganz natürlich veranschaulicht werden können.Dennoch haften einer solchen Darstellung ganz bedenkliche Mängel an.Erstens weicht das Skelett des Rumpfs und der Gliedmassensehr viel mehr als der Schädel von den Formen des lebendigenKörpers ab, so dass auch die natürlichste Bewegungsstellung einesSkeletts uns leblos vorkommt, weil sie sich an einem uns fremden,ungewöhnlichen Gegenstande zeigt. Mit wie verhältnismässig geringenAbänderungen ist der Umriss eines Schädels in denjenigen einesvollständigen Kopfes verwandelt, während z. B. ein vollständiger,kräftiger Oberschenkel seinem Knochen nicht mehr gleicht als einembeliebigen Stabe. — Es ist ferner eine notwendige Konsequenz derBeweglichkeit der Knochen des Rumpfs und der Gliedmassen, dasssie nicht wie der lebende Körper ununterbrochen zusammenhängen,nicht einmal so fest zusammengefügt wie der Schädel, sondern völliggetrennte Stücke sind. Werden sie also ohne ihren natürlichen, dieGelenke umhüllenden Sehnenverband einfach aneinander gereiht dar-gestellt, so muss jedermann, auch wenn ihm das Unnatürliche einessolchen Bildes nicht bewusst wird, den Eindruck einer organischen,lebendigen Einheit vermissen. Deshalb macht auch das einzige imGrossbasler Totentanz vorkommende vollständige Gerippe, der Totedes Arztes (Fig. 61), eine so traurige Figur, auch wenn wir vonallen groben anatomischen Fehlern absehen (S. 131 f.). Im Gegensatzdazu atmen die angeblich so misslungenen Totengestalten Holbeinsechtes, nicht selten leidenschaftlich bewegtes Leben, weil er es ver-stand, in ihnen alle jene Mängel des wirklichen und nackten Skeletts,nämlich das Fehlen der äusseren Lebensformen, des organischen Zu-sammenhangs durch wechselnde, dem einzelnen Teil genial angepassteMittel zu verdecken. Selbst Woltmann, der diesen selben Gestaltenneben anderen Fehlern auch die Unnatur eines sich ohne Muskelnbewegenden blossen Skeletts vorwarf, redete gelegentlich von demHohn, der in ihnen zum Ausdruck kommt, von ihrer wilden Leiden-schaft und selbst von ihrem dämonischen Charakter und gestehtihnen dadurch immerhin eine gewisse Lebenswahrheit zu, nach seiner