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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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nicht nur in die Breite aus, sondern die Mundspalte öffnet sich auchund krümmt sich an den Mundwinkeln aufwärts, was bei der Kiefer-spalte natürlich ausgeschlossen ist. Und doch lachen einige vonHolbeins Totengestalten ganz unverkennbar (5, 11, 23, 27, 32, 35),was er dadurch erreichte, dass er die etwas geöffnete Kieferspalteebenfalls aufwärts krümmte und unter dem Wangenbein einenSchatten anbrachte, der die beim Lachen des Lebenden entstehendeFurche zwischen der Wange und dem Mundwinkel vortäuscht.

So wird also in der Mundgegend ebenso wie an der Stirn undden Augenhöhlen des Schädels der Schein eines lebendigen Mienen-spiels dadurch erzeugt, dass die Skelettteile ähnliche Abänderungenihrer eigentlichen starren Form erfahren wie die sie im Lebenbedeckenden beweglichen Weichteile bei den verschiedenen Affekten.Holbein überträgt, mit anderen Worten, das Leben dieser letzterenTeile auf das Knochengerüst, aber so massvoll, dass dieses in keinerWeise unnatürlich aussieht, während doch für den gewollten Aus-druck die Weichteile nicht vermisst werden. Ohne diese Erläuterungist die Angabe, dass Holbein die Totenköpfe zu beleben verstand,deshalb wenig belangreich, weil genau dasselbe auch von den Toten-bildern in La Chaise -Dieu (Jubinal) und in anderen Totentänzen,z. B. dem Berner (Grüneisen) behauptet wurde. In diesen Fällenhandelt es sich aber entweder um jenen stereotypen Ausdruck jedesSchädels, woraus man leicht einhöhnisches Grinsen" herausliest,oder um Totenköpfe mit vollständigen Augen und mit Mundwinkeln(La Chaise-Dieu), deren Mienenspiel eben gar nicht an knöchernenTeilen erfolgt. Für uns ist es aber vor allem wichtig zu verstehen,dass und wie Holbein das Knochengerüst selbst abänderte, um daranden mannigfaltigen Ausdruck des Lebens hervorzurufen.

Mit gleicher Kunst belebte Holbein auch den Rumpf und dieGliedmassen seiner Totengestalten. Nur konnte er zu diesem Zweckan ihrem Knochengerüst nicht einfach dieselben Kunstgriffe anwendenwie am Schädel. Dieser ist mit Ausnahme des beweglichen Unter-kiefers vollkommen starr, und die Bewegungen, in denen das Lebensich am Kopfe äussert, vollziehen sich daher beinahe nur an denWeichteilen. Um sie am Schädel anzudeuten, nahm Holbein Form-veränderungen an ihm vor, die gewissermassen als vorübergehende