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heben sich noch schärfer ab, Oberarm und Oberschenkel werdengeradlinig, also trotz ihrer Dicke knochenähnlich, dafür verlierenUnterarm und Unterschenkel einen ihrer Knochen und die Knie-scheibe verschwindet als besonderer Skelettteil. Überlegt man nun,dass Holbein durch diese Veränderungen, die für seine späterenTotengestalten bezeichnend sind, muskulöse Teile knochenähnlichbildete, manches osteologische Detail vereinfachte und so demglatten Relief des intakten Körpers annäherte, so wird man schliessenmüssen, dass dies nicht ohne Absicht und bestimmten Zweck imGegensatz zu den überkommenen Mustern geschah.
Diese Thatsache wird noch auffälliger durch den Umstand, dassdie Skelette auf der Dolchscheide, abgesehen von einigenMuskelresten an dem einen oder anderen von ihnen, so natur-getreu sind*), dass sie in den meisten Stücken allegleichzeitigen Skelettbilder (Hela, Heures, Schott, Grie-ninger) weit hinter sich lassen. Und zwar gilt dies geradefür die Teile, die in den späteren Totengestalten die von Woltmannhervorgehobenen groben Fehler aufweisen. Es lässt sich dies nichtanders erklären, als dass Holbein, schon bevor er sich an die Holz-schnitte des Totentanzes machte, die Osteologie durch unmittelbaresNaturstudium kennen gelernt hatte und folglich fremde Skelettbilderentbehren konnte. Ich muss daher dem so sicher abgegebenenUrteil Woltmanns und Anderer, dass Holbein vom Skelett nichtsgewusst und es nur erraten habe, mit der grössten Bestimmtheitentgegenhalten, dass er auf der Dolchscheide wohl die besten vor-vesalischen Skelettfiguren schuf und daher seine späteren Toten-gestalten nicht aus Unkenntnis, sondern mit Absicht so bildete, wiesie Woltmann missfielen, d. h. dass er wirkliche Gerippegar nicht darstellen wollte.
Dieses ungleiche Vorgehen Holbeins kann aber auch nichtwunder nehmen, wenn man sich vergegenwärtigt w i e verschiedendie Ziele waren, die Holbein bei der Dolchscheide und in den zweianderen Totentänzen verfolgte. In dem ersten Fall hat er thatsächlichein Stück richtigen Totentanzes wiedergegeben, wobei also die Toten-gestalten schlechtweg als Tote erscheinen sollten, und daher, beiHolbeins ausgesprochenem Sinn für das Wirkliche, als möglichst
') Auf einige fehlerhafte, aber nicht unbewusste Übertreibungen am Becken komme ichnoch zurück.