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ihm derartige Bilder unbekannt. In den Totentänzen und verwandtenDarstellungen treten vielmehr wirkliche Skelettbilder schon im erstenAnfang des 16. Jahrhunderts auf; zuerst vielleicht in dem italienischenTotentanz zu Clusone, der sogar noch in das 15. Jahrhundert ver-setzt wird (s. S. 53), dann in den Heures von 1509 und 1515.Jene italienischen Skelettbilder sind aber allerdings sehr unvollkommenund für die deutsche Malerei belanglos. Ganz anders die eben ge-nannten Heures (s. S. 52). Ihre den Loups ravissants und anderenQuellen entstammenden Todesbilder — der eigentliche der Dansemacabre nachgebildete Totentanz macht davon eine Ausnahme —zeigen ebenfalls unverkennbare, aber noch immer unvollkommeneSkelette (Fig. 14, 15); dagegen ist das auf dem Titelblatt an-gebrachte Skelett, namentlich in der Ausgabe von 1515, ziemlichrichtig gezeichnet und deshalb bemerkenswert, weil es nach dembekannten HELASchen Skelettbilde von 1493 die älteste gedruckteAbbildung dieser Art sein dürfte und eine Stelle in der Geschichteder anatomischen Abbildungen verdient (Fig. 16, 18). Bisher scheintsie aber dort unbekannt gebieben zu sein, da Choulant (No. 7) undWieger (No. 77) sie nicht erwähnen.
Hier finden wir also das Skelett in Bildern, die den Toten-tänzen nahe verwandt sind, und neben diesen in den weitverbreitetenfranzösischen Gebetbüchern vorkommen, die Holbein sicher kannte,da er ihnen einige seiner Holzschnitte entlehnte (s. u.) Und da jenesvollständige französische Skelettbild im ganzen auch nicht hinter demScHOTXschen Skelettbilde von 1 51 7 zurücksteht, so ist es gleichgültig,ob Hoebein dieses letztere gekannt hat oder nicht. Dass er aberdie ihm bekannten Skelettbilder nicht ohne weiteres kopierte, hatseinen einfachen Grund darin, dass er es, wie die weitere Unter-suchung lehren wird, teils nicht brauchte und teils nicht wollte*).
•) Dasselbe trifft auch für Dürer zu. Es ist gar nicht anzunehmen, dass er das 1493 inNürnberg herausgekommene HELAsche Bild oder die an demselben Ort und im selben Jahr gedruckteScHEDELsche Chronik nicht kannte, die ja ebenfalls einige, freilich recht mangelhafte Skelettbilderenthielt. Dennoch zeichnete er den Tod auf den apokalyptischen Reitern (1498) als mageren Greis,auf dem „Wappen des Todes" (1503) als eine Art von Waldmensch und erst 1505 einen Reiter-Tod als Skelett (No. 39). Diese sehr flüchtige Skizze lässt allerdings Dürers osteologische Kennt-nisse nicht recht beurteilen; sicher ist aber, dass er später keine vollständigen Skelette mehrzeichnete, sondern nur Totengestalten mit einzelnen skelettierten Teilen (vgl. „der Tod und derLandsknecht", Bartsch 132, „der Spaziergang", B. 94, „Ritter, Tod und Teufel", B. 98). Ihmfolgte auch H. Baldung , dessen zahlreiche Todesbilder nur halbentfleischte Leichen zeigen, mitIlaaren auf dem Schädel und meist auch mit Augäpfeln in den knöchernen Augenhöhlen. Unddoch konnten gerade Baldung die Strassburger Skelettbilder nicht unbekannt sein.