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den dort sichtbaren Bewegungen nicht teilnimmt, mit Weichteilenbedeckt, die eigentlichen Lokomotionsorgane, die Arme und Beine,sind dagegen auf das deutlichste als völlig nackte und zwar ana-tomisch richtige Skeletteile gezeichnet. Es scheint also der Mangelder Muskulatur, den Wültmann tadelt, im Bilde ihm so wenig stö-rend gewesen zu sein, dass er ihn nicht einmal bemerkte. Nochmehr. Wenn er es nicht für angemessen hielt, dass entfleischteSkelette in Bewegung dargestellt würden, so musste er folgerichtigauch den Totenschädel aus den Totentänzen verbannen. Denn sowenig eine Bewegung des ganzen Körpers ohne Muskeln denkbar ist,so wenig kann ein nackter Schädel sehen, sprechen, blasen u. s. w.Folglich waren die Holbein als Muster vorgehaltenen alten Toten-figuren ebenso verwerflich wie seine Skelette; um so mehr, als diebei jenen Figuren durchgeführte Vereinigung eines intakten Körpersmit einem nackten Schädel ganz unwahr ist. Im Sinne Woltmannsmüsste man sogar noch weiter gehen. Wird im Bilde eine sicht-bare Muskulatur verlangt, um eine dargestellte Bewegung zu moti-vieren, so muss sie auch als eine leistungsfähige imponieren; dieTotengestalten von Klein-Basel, die zwischen Haut und Knochen fürMuskeln keinen Platz haben können, und die eingetrockneten Mu-mien des Berliner Totentanzes sind also für die Darstellung einerLebensthätigkeit nicht geeigneter als wirkliche Skelette. Und somüsste man nach Woltmanns Grundsatz zu der Forderung kommen,dass die lebensthätigen Totenfiguren die vollkommene Gestalt vonLebenden besitzen sollten. Es bliebe dann nur die Frage übrig,wodurch denn eine solche Gestalt, die sich bewegt und spricht,den unzweideutigen Eindruck einer Leiche, eines Toten machensoll, was doch in den Totentanzbildern gefordert wird. Als Beispieldafür, wie schlecht derartige Figuren ihrem Zweck entsprechen, nenneich den Toten des Grafen in Klingenthal (Fig. 67), der, irgend einerLaune des Malers entsprungen, mit seinem geradezu porträtartigenKopf, trotz der leichenhaften Abmagerung des übrigen Körpersalles andere, nur keine Leiche darstellt*). Die Totengestalten der
'■') Der Grossbasler Maler hat dies zweifellos empfunden, da er in der Kopie den falschenKindruck dadurch zu verbessern suchte, dass er das Gesicht beinahe unnatürlich verschmälerte (Fig. 68).Mi Kl AN, dem der eigentliche Sinn der Totentänze offenbar nicht mehr geläufig war, zeichnete anderselben Stelle einfach einen nackten Mann. Dies wäre also das Ideal Woltmanns , dessen Be-deutung jedoch ohne den begleitenden Text völlig verborgen bliebe, und das daher für Holbf.insTotentanz, dem ein originaler Text fehlte, ganz unbrauchbar gewesen wäre.