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Ebensowenig kann darin bloss eine Nachäffung gesehen werden,dass der Tote in L in der Tracht und mit dem Gerät des Messnersden Domherrn führt; es ist vielmehr nur ein glücklicher KunstgriffHolbeins, durch diese Einkleidung des Toten uns in der, durch denbeschränkten Raum gebotenen einfachsten Weise den Priester inseiner Berufsthätigkeit vorzuführen. Im Waffenkampfe endlich hatHolbein die Totengestalt am vollständigsten abgeändert. Mag auchdas Grossbasler Bild des Ritters mit dem gewappneten Toten Hol-bein zu seiner Darstellung veranlasst haben, so ist doch seine Auf-fassung eine ganz neue. Denn jener Basler Tote scheint allerdingsdurch seine Rüstung den sterbenden Ritter nur nachzuäffen und zuhöhnen, wogegen Holbeins Bild nicht nur einen wirklichen Kampfschildert, sondern ihn sogar aufs Schlachtfeld verlegt. Dazu kommt,dass der Tote das bärtige Gesicht eines Lebenden, die prallenUnterschenkel mit Strümpfen, die Füsse mit Schuhen bekleidet zeigt,so dass nur der Rumpf und die Arme als Skelett behandelt sind.Was wollte Holbein damit? Soll diese Figur, die mit einem zumTanze abholenden Toten nichts mehr gemein hat, irgendwie denTod selbst darstellen? — Ich halte es für passender, diese Fragebei der Wiederholung derselben Scene im grossen Totentanze zuerörtern, und beschränke mich hier auf die Bemerkung, dass Holbeinin diesem und anderen sich anschliessenden Bildern des Alphabetsden traditionellen Boden des Totentanzes ganz verlassen hat, umaus dessen einzelnen Paaren nicht Todesbilder, sondern imGegenteil echte Lebensbilder zu schaffen.
So zeigt sich uns namentlich das Bild des Arztes (M). Vorseinem Studiertische stehend, hält er das Glas mit dem Wassereines Kranken, das ihm der Tote über die Schulter hinreicht, prüfendgegen das Licht. Die Derbheit, mit der uns Holbein die Füllungdes Glases durch die halbverdeckte kleine Teufelsgestalt andeutet,rückt das ganze Bild in das Licht schärfster Satire, nimmt ihm abergleichzeitig die unmittelbare Beziehung zum Tod. Nicht etwa dieOhnmacht des Arztes gegen seinen eigenen Tod wird uns hier ge-schildert, auf Grund des oft citierten Wortes: Arzt, hilf dir selber,sondern in seiner ernsthaften Behandlung von grob absurden Dingenbloss sein eingebildetes Wissen gegeisselt. — Der Wucherer (N) istunverkennbar eine Nachahmung des Grossbasler Bildes, nur miteiner Verdoppelung des Toten, so dass der eine den Wucherer