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lässt; eine weitere Abänderung vom Totentanz, die deutlich zeigt,dass Holbein in ihm nicht mehr das Ziel seiner Darstellung, sondernnur noch ein Motiv für künstlerische Schöpfungen erblickte, hierzunächst leidenschaftlicher Kämpfe mit dem tragischen Hintergrundedes allen Menschen gemeinsamen Schicksals. Doch blieb Holbeinschon im Alphabet nicht bei der genannten Abänderung stehen.
War schon durch die äusseren Umstände die vollständige Los-lösung des einzelnen Vorgangs aus der ganzen Reihe und seine Ein-fassung zu einem abgeschlossenen Bilde gegeben, so fügte sich ganzungezwungen und natürlich manches Beiwerk zu den handelndenPersonen. So sitzt die Kaiserin (F) auf einem reich verzierten Sessel,der Herzog (I) wird auf eine bereit stehende Bahre niedergerissen,den Reiter (V) sehen wir auf seinem Gaule dahinjagen; hinter demWaldbruder (W) zeigt sich seine Hütte, der Waffengang (P) gehtauf dem von Leichen bedeckten Schlachtfelde vor sich. Endlichwerden wir beim Arzt (M), Wucherer (N), Spieler (X) und demKinde (Y) in die Wohnräume des Hauses eingeführt und finden dieLebenden in ihrer gewöhnlichen Umgebung und Beschäftigung. ImZusammenhange damit erhalten die Toten Attribute, die zum Teilnoch so wie auf der Dolchscheide satirisch oder humoristisch wirkensollen. Dahin gehört der Hut des Toten in D, der ihn, den Über-winder des Königs, als einen Mann niederen Standes kennzeichnet;ferner der weibliche Tote mit der Frauenhaube, vor dem der Herzoghänderingend zu fliehen sucht (I), der als Mönch verkleidete Tote,der die Nonne zum Tanze führt (G), endlich der Tote in R, dessenhohe Stiefel um so komischer wirken, als sie den Gegensatz zu dennackten Beinen des Narren*) nicht verkennen lassen.
Daneben begegnen uns aber in unserem Alphabet Totenfiguren,deren Tracht eine ganz andere Bedeutung hat. Der Tote desGrafen (K) ist durch Hut, Kragen und Dreschflegel deutlich alsBauer gekennzeichnet und weist dadurch und durch seine drohendeHaltung unzweifelhaft auf die Bauernkriege hin, in denen der unter-drückte Hörige nicht selten zum Herrn über Leben und Tod dergewaltthätigen Ritter wurde. Diese zeitgenössische Scene ist übrigensnur der Vorläufer der viel reicher ausgeführten gleichen Darstellungim grossen Totentanz, die noch eingehend behandelt werden wird.
') Die gemeinen Narren gingen wenigstens im 15. Jahrhundert barfuss, wie es gleichzeitigeBilder, z. B. der Grofebasler Totentanz, die ältesten Kartenspiele u. s. w. beweisen.