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Holbein ans Ende des Alphabets (Z) gesetzte Bild kommt sonst inkeinem Totentanz vor*); und ich glaube nicht, dass Holbein geradebei dieser Gelegenheit selbständig darauf verfallen wäre, wenn essich ihm nicht im Giebelfelde des Grossbasler Beinhauses dargebotenhätte. Der beschränkte Raum veranlasste wahrscheinlich den asym-metrischen, einseitigen Aufbau; das Unbefriedigende daran erkannteHolbein selbst, denn bei der Wiederholung desselben Gegenstandesim grossen Totentanz hielt er sich viel genauer an sein Muster.
Neben dem Beinhause können hier noch der Bischof (H), derMönch (O) und der Waldbruder (W) als Bilder genannt werden,die im allgemeinen dem Typus der alten Totentänze folgen, indemein leichenhafter Toter den Lebenden abführt. Aber schon beidiesen einfachen Bildern regte sich Holbeins dramatische Ader; ihmwiderstand ebensowohl die Darstellung ohnmächtig Sterbender wieharmlos tanzender Toter, auch der herannahende Tod sollte Lebenund Bewegung nicht ausschliessen, eher steigern. Daher wird ausdem friedlichen Akt der alten Totentänze ein mehr oder wenigerleidenschaftliches Ringen zwischen dem gewaltthätig zugreifendenSendboten des Todes und dem sich lebhaft wehrenden Opfer, einKampf, so menschlich ausgeführt, dass darüber der alte Grund-gedanke völlig zurücktritt. Schon der vom Toten fortgezerrte Bischofund der Mönch — ein Seitenstück zum Mönch auf der Dolch-scheide — zeigen uns die Ansätze zum Kampf, der dann beimPapst (B) und Kaiser (C), König (D), Kardinal (E), der Kaiserin (F),der Königin (G) und anderen in voller Leidenschaft sich vor unsabspielt. Wild stürmen die Toten auf die Lebenden ein, die sichdem unwiderstehlichen Griff keineswegs ergeben fügen, aber trotzverzweifelter Gegenwehr bezwungen, ja niedergerissen werden (B, C,D, G). Und da dieser Kampf als ein durchaus realer geschildertwird, so ist es natürlich, dass er uns zuletzt (P) als ein wirklicherWaffenkampf zwischen dem Krieger und dem ebenfalls vollkommengerüsteten Toten entgegentritt. Ebenso wirklich weiss uns Holbeindas Unterliegen der Lebenden dadurch anzudeuten, dass er die An-greifer nicht mehr einzeln, sondern in der Regel zu zweien auftreten
*) Grüneisen hat freilich die Musik der Toten am Basler Beinhause für den Auferstehungs-ruf zum Weltgericht erklärt (No. 24, S. 157). Tote, die sich selbst zum Grabe hinausblasen, sindaber doch eine Vorstellung, die man den verständigen Meistern der Basler Totentänze nichtinsinuieren darf.