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Scenen in quadratische Rahmen fasste, ohne sie mit dem im Vorder-grunde stehenden Buchstaben irgendwie zu verknüpfen*). So ergabsich ihm die Aufgabe, für das Alphabet 24 Themata aus dem Toten-tanz zu wählen und jedes selbständig für sich in dem vorgeschriebenenRäume auszuführen. Infolge dieser äusseren Bedingungen war er vondem Zwang der unkünstlerischen ständigen Wiederholung und Gleich-förmigkeit, die in dem Vorwurf des alten Totentanzes gegeben waren,befreit; ein Zwang, der sich am wenigsten mit der unerschöpflichenPhantasie unseres Meisters vertrug. Damit soll aber nicht gesagtsein, dass Holbein im Alphabet sofort und durchweg ganz neueBahnen der Darstellung des Totentanzes eingeschlagen hätte; undnichts giebt darüber verkehrtere Vorstellungen, als wenn Urteile, diefür das eine oder andere Bild zutreffen, gleich für die ganze Serieverallgemeinert werden. Vielmehr können wir es als ein Glückbetrachten, dass es uns vergönnt ist, im Alphabet wie in dem späterengrossen Totentanz die ganze Entwickelung zu verfolgen, die sich inHolbeins Phantasie von der Anschauung der alten Totentänze biszur Konzeption seiner reifsten Schöpfungen auf diesem Gebiet vollzog.Es giebt im Alphabet Bilder, die, so meisterhaft ihre Ausführungim einzelnen bleibt, sich in ihrer ganzen Auffassung eng an dasGrossbasler Muster anschliessen. Das schlechtweg „Beinhaus" ge-nannte erste Bild (A) ist nur eine vereinfachte Kopie des Gross-basler Beinhauses; infolge des beschränkten Raumes sehen wir diesesfreilich bloss durch einen Haufen von Schädeln ersetzt, die zweimusizierenden Toten dagegen sind in ihrem Thun und ihren Attributenziemlich genaue Wiederholungen jenes Vorbildes. Auch bemerkte ichschon, dass die Aufnahme dieses Bildes in das Alphabet nicht ganzbegründet ist, da es für sich allein betrachtet eigentlich unverständlichbleibt. Holbein begann aber nicht mit Reflexionen, sondern über-liess sich zunächst ganz unbefangen der Reproduktion der ihn fesseln-den Bilder. So erklärt es sich auch, dass er in dem Grossbasler
Beinhause
die Anregung
zu einem weiteren Bilde fand, dem so-
genannten „Jüngsten Gericht" oder der „Auferstehung der Toten",wie es im Totentanz wohl richtiger heissen sollte. Dieses von
*) Der Versuch MoNTAIGLONS, in den einzelnen Buchstaben die Initialen von den lateinischenNamen der darin vorkommenden Personen nachzuweisen, stützt sieh auf so viel Tüftelei und bedingtso viele Ausnahmen, dass er als missglückt zu bezeichnen ist, wenn man auch davon absieht, dassdie „Sinnigkeit" eines solchen Verfahrens unter dem Niveau eines Holrein liegt.