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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Totengestalten betrachtet, die in derselben tief gebückten, schleichendenHaltung gegeneinander vorschreiten und beinahe mit den Köpfenzusammenstossen ?

In dem ersten Toten, der den König gepackt hat und dessenam Boden liegenden Reichsapfel mit dem Fusse fortstösst, ist aller-dings dämonischer Hohn nicht zu verkennen, ebenso wenig aber daskomische Element in den folgenden Toten. In den alten Totentänzenfinden wir nicht selten, dass der Tote Teile der Bekleidung desLebenden trägt, und in der Regel wird dies als eine spöttischeNachäffung" bezeichnet. Holbein Hess sich dieses Motiv nicht ent-gehen, verwendete es aber in der Dolchscheide in ganz anderemSinn. Die haubenförmige Kapuze, die der zweite Tote trägt, kannkeine Nachäffung der gekrönten Königin bedeuten, und der alteschäbige Federhut, das zerbrochene Schwert des fünften Toten habenvollends keine Beziehung zu dem von ihm geführten Mönch. Un-zweifelhaft ist nur, dass beides der für die meisten doch grauen-vollen Knochenfigur einen komischen Anstrich verleiht und so mitdem Schauerlichen künstlerisch aussöhnt. Auch der Trommler trägteinen wunderlichen hohen Kegelhut, der freilich auch einem Lands-knecht zukommen kann, mir aber doch eine andere Bedeutung zuhaben scheint, als den Krieger, den Partner dieses Toten, nachzuäffen.Offenbar haben Holbeins Zeitgenossen diese Figur ohne weiteresverstanden; denn er selbst hat uns ihr Vorbild unter den Lebendenan anderer Stelle gezeichnet. Auf einer in Basel aufbewahrtenZeichnung, einer Leistenverzierung mit Bären und Blattwerk, befindetsich in der Mitte der Bärenführer, dessen Hut, Trommel und Pfeifedie Attribute jenes Toten genau wiederholen, und der diese Instru-mente ebenfalls so trägt und spielt wie dieser (Fig. 84) *). EinZufall ist hier natürlich ausgeschlossen; auf der anderen Seite wärees aber wenig angebracht, nun sofort demtieferen Sinn" dieserNachahmung nachzuspüren. Wieviel Köpfe sind schon darüber zer-brochen worden, das zu erraten, wobei sich ein Meister überhauptnichts Besonderes gedacht hat! Ich begnüge mich daher festzustellen,

Woltmann verzeichnet dieses Blatt folgendermassen (No. 78, II, 106):Leistenverzierung,vertikaler Streifen; Bären und ein Narr." Die Narren hat aber Holbein, so gut wie seine Vor-gänger in Gross-Basel und Bern, im Alphabet und grossen Totentanz barfüssig abgebildet, wie esder damaligen Sitte entsprach (s. u.). Die BezeichnungBajazzo" oderHanswurst" wäre nachder ganzen Tracht und Hantierung passender.

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