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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Bild eines Totentanzes dekorativ zu verwenden ver-stand. Jene Einfügung wäre sehr viel leichter und der Totentanzals solcher vollkommener darzustellen gewesen, wenn Holbein seineGestalten merklich kleiner gebildet hätte; sie wären dann paarweisemehr auseinander getreten, der Hintergrund hätte sich über ihnenerhoben, hätte dabei vielleicht auch eine Ausführung erfahren, kurzes wäre ein Bild entstanden, das die Dolchscheide wohl schmückenmochte, aber in seiner selbständigen Bildung eigentlich nicht hin-gehörte. Eine wirkliche Dekoration der Scheide musste vielmehrso beschaffen sein, dass sie die Fläche nicht bloss belebte, sondernsich ihren besonderen Formen unterordnete und sie erst recht hervor-treten, nicht aber als gleichgültige Unterlage des Schmuckes er-scheinen Hess. Die Gestalten mussten also die ganze Fläche gleich-massig überdecken, ihre ganze Breite durchsetzen und zugleich inder Längsrichtung einen zusammenhängenden Fluss der Bildung unter-halten , endlich die Verschmälerung der Scheide gegen ihre Spitzehin auch bildlich zum Ausdruck bringen. Dies erreichte Holbeinerstens dadurch, dass er die Gestalten höher wählte als die Breiteder Scheide: dadurch war es ausgeschlossen, dass sie durch einegerade Stellung den lebendigen Zusammenhang nach beiden Seitenerschwerten oder infolge von Biegungen bei geringerer Höhe einenleeren Hintergrund über sich frei Hessen. Beugung, Bewegung, In-einandergreifen der Linien war mit jenem grösseren Mass gegeben,und indem die Paare zusammenrückten, ergab sich jener ununter-brochene Fluss bewegter Bildung über die ganze Fläche hin. Undwie wunderbar wusste Holbein die Verjüngung der Fläche durchdie immer mehr gebückten Gestalten zu veranschaulichen, bis zurunübertrefflichen Gestalt des widerstrebenden Kindes, das die Flächeso vollkommen abschliesst.

Die zwei letzten tief gebückten Toten erscheinen trotzdem keines-wegs in gezwungener Stellung, sondern ganz natürlich. Nur ist derdadurch erzielte vorherrschende Eindruck nicht der eines dämo-nischen Hohns (Woltmaxn), vielmehr unstreitig der eines dämonischenHumors. Wie sollte es auch einem aufmerksamen Beschauer ent-gehen, dass der das Kind gewaltsam hinter sich herzerrende Tote dieSchaufel wie ein Steckenpferd zwischen seinen Beinen hält, also ge-wissermassen vor dem Kinde her reitet; und wer enthielte sichwohl eines unwillkürlichen Lächelns, wenn er jene beiden letzten