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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
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dass gerade im Gegensatz zum Grossbasler Totentanz nicht blossdie Toten sich in leidenschaftlicher Bewegung befinden, sondernnicht minder die Lebenden, die sonst allgemein in mehr passiverHaltung als Sterbende den Toten gegenüberstehen. Dass Holbeinfreilich auch Leidenschaft und Ohnmacht wirkungsvoll zu verbindenwusste, haben wir am König gesehen; die anderen Lebenden zeigensich aber noch in der Vollkraft des Lebens, und der widerwilligspringende Mönch, der vor seinem Toten zurückweichende Kriegerbewegen sich lebhafter als die Toten selbst. Der traditionelle Ernstdes alten Totentanzes wurde dadurch freilich beeinträchtigt. Aberhier zum erstenmal begegnet uns die Thatsache, dass Holbein weitdavon entfernt war, die Tradition nur in neuem Gewände geben zuwollen. Für ihn war sie nur noch das Mittel, rein künstlerischenIdeen einen besonderen Ausdruck zu verleihen, und es erscheint da-her nicht angebracht, von der künstlerischenVollendung" der altenTotentänze durch Holbein zu sprechen, während er sie, je später destovollständiger auflöste und in andere Erscheinungen verwandelte.Der eigentümliche Eindruck unserer Zeichnung rührt aber auchnicht von der allgemeinen leidenschaftlichen Bewegung der Totenund der Lebenden her; es spielt dabei noch ein ganz anderes Mo-ment eine wichtige Rolle. Woltmann spricht von einem wirklichenReigen und Tanz auf der Dolchscheide; dies darf jedoch nicht indemselben Sinne aufgefasst werden wie bei anderen, namentlich denfranzösischen Totentänzen mit der zusammenhängenden Reihe derPaare. Auf der Dolchscheide bleiben die Paare völlig getrenntund ziehen nicht einmal alle in derselben Richtung: das vierte unddas fünfte Paar sind von den drei ersten Paaren abgewendet und be-wegen sich dem letzten Paar entgegen. Und von einem Tanz kannallenfalls bei den zwei weiblichen Paaren die Rede sein. Trotzdemgewinnen wir den Eindruck einer einheitlichen und gewissermassenrhythmischen Bewegung, weil die Paare alle dicht zusammengerücktsind und die zwölf Gestalten die Fläche der Dolchscheide so wunder-voll gleichmässig und doch mannigfaltig ausfüllen. Mit Recht be-wundert Woltmann die Kunst, mit der alles in den schmalen Raumhineinkomponiert ist. Dies lässt sich jedoch ohne eine nähere Er-läuterung kaum richtig verstehen. Die Kunst liegt nicht sowohldarin, dass Holbein ein von ihm gewolltes Bild in einen gegebenenschmalen Raum einzufügen wusste, als vielmehr darin, dass er d a s