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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
177
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In keinem der späteren Totentänze hat sich Holbein im äusserenAufbau des Bildes so vollkommen an die alten Totentänze gehaltenwie in der Zeichnung zur Dolchscheide; wo er aber später imeinzelnen wieder darauf zurückkam, hat er den alten Gedanken kaumwieder so geistvoll verwertet wie auf der Dolchscheide. Nur sechsPersonen sind es König, Königin, Krieger, Dirne, Mönch, Kind;die von je einem Toten fortgezogen werden; nur der pfeifende undtrommelnde Tote hat seinen Partner, den Krieger, nicht gefasst,sondern lässt bloss seinen unwiderstehlichen Ruf erschallen. KeineGestalt ist einem früheren Totentanz ganz entlehnt, aber der EinflussGross-Basels zeigt sich doch in derKühnheit und wilden Bewegt-heit der Totenfiguren" (Woltmann) und in einer ganzen Zahl voneinzelnen Motiven. Wohl die gelungenste und schönste Gestalt istdiejenige des Königs, der mitten in der leidenschaftlichen Bewegung,wodurch er sich dem eisernen Griff des Knochenmanns zu entreissensucht, von der Todesohnmacht überrascht wird: bei der lebhaftenVorwärtsbewegung sinkt sein Haupt zurück und zur Seite, es sinktder Arm und es lösen sich die Finger, die das Scepter hielten,dessen Spitze bereits den Boden berührt. Diese ganze Haltung,besonders die Hand, konnte nur Holbein so naturwahr und so schönwiedergeben, und nur Kopisten konnten beides so verderben, wiees in den Basler Zeichnungen und gar in den FRÖHUCHSchen Nach-schnitten geschehen ist, wo der König nur noch eine Karikatur derHoi.BEiNschen Figur genannt werden kann (s. S. 113). Wir sahennun, dass gerade in Gross-Basel mit Vorliebe die Todesohnmachtder von den Toten Ergriffenen dargestellt und so ganz naturgemässzum Vorbilde für Holbein wurde. Vielleicht benutzte er geradezuden mit dem Stabe niedersinkenden Arm des Schultheissen fürseinen König, wie denn auch der zu Füssen des letzteren liegendeReichsapfel beim Kaiser in Gross-Basel vorgebildet war. Der weib-liche Kopfputz des Toten, der die Königin, und die weiblichenBrüste des anderen, der die Dirne entführt, sind durch die weib-lichen Toten der Kaiserin und der Königin in Gross-Basel wenigstenshervorgerufen.

Was bedeuten aber diese untergeordneten Nachbildungen gegen-über der Freiheit, mit der Holbein im übrigen verfuhr! WennWoltmann den Eindruck wilder Bewegtheit auf die Toten zurück-führt, so ist dies nur teilweise richtig. Er entsteht vielmehr dadurch,

Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder. 12