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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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ästhetisch so feinfühliger Mann wie Wackernagel für die einfache,unmittelbare Beobachtung so wenig Sinn hatte, dass er auf Grundeines allgemeinen Eindrucks empirische Thatsachen behaupten konnte,ohne auch nur den so leichten Versuch gemacht zu haben, sie em-pirisch festzustellen. Vergleicht man nämlich die beiden Reihen inder Weise, dass man neben die Bilder des Alphabets die ihnen ent-sprechenden Bilder der von Wackernagel citierten Buchausgabe mit41 Nummern setzt, und zwar in der ihnen eigenen Reihenfolge, soergiebt sich so ziemlich das Gegenteil von Wackernagels Be-hauptung. Die Reihenfolge ist nur für die ersten neun Buchstabenbis I (Herzog) dieselbe, für die folgenden fünfzehn Buchstaben fehlteine solche Übereinstimmung (s. Tabelle V). Und zwar besondersdeshalb, weil nicht weniger als sieben Bilder des Alphabets, d. h.beinahe ein Dritteil von ihnen (Kriegsmann, Narr, Dirne, Säufer,Reiter, Waldbruder, Spieler) in der Buchausgabe fehlen. Gegenüberden von Wackernagel nicht genannten späteren Ausgaben mit 53Bildern vermindert sich allerdings die Zahl der im Alphabet alleinvorkommenden Bilder auf drei (Dirne, Reiter, Waldbruder), dafürvergrössert sich die Verschiedenheit der Reihenfolge.

Aus den Gegenständen und der Reihenfolge der Bilder imAlphabet und im grossen Totentanz lässt sich also keineswegsschliessen, dass das erstere ein späterer Auszug aus dem Hauptwerkist. Dies wird vollends unwahrscheinlich, wenn man folgende Datenberücksichtigt. Das Alphabet erschien zuerst in Drucken von 1524;folglich wird es wohl schon 1523 gezeichnet sein. Der grosseTotentanz war aber damals noch lange nicht fertig, da Lützel-burger bei seinem Tode 1526 eine Anzahl von Bildern des Toten-tanzes unvollendet zurückliess, die erst für die späteren Buchausgabenvon 1545 an geschnitten wurden. Unter diesen Bildern befindensich aber vier (Kriegsmann, Spieler, Säufer, Narr), deren Gegenstandschon im Alphabet vorkam. Wie ist es nun denkbar, dass Holbein,der den grossen Totentanz, wie man annimmt, unmittelbar aufs Holzzeichnete und die Holzstöcke dem Lltzelburger überliess, dieseVorzeichnungen und namentlich die letzten unter ihnen schon 1523oder auch 1524 für das Alphabet benutzt haben sollte?

Wenn also schon die äusseren Daten zu Gunsten einer späterenEntstehung des grossen Totentanzes reden, so bekunden die Bilderselbst erst recht deutlich, dass er eine höhere Stufe des Alphabets