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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
171
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dass in der Lyoner Ausgabe von 1545 die bekannten KindergruppenHolbeins, die mit den Totentanzbildern in keinem irgendwie ersicht-lichen Zusammenhange stehen, ihnen angeschlossen und ebenfallsdurch Bibelstellen als Repräsentanten verschiedener Laster charakteri-siert wurden (s. Massmann, Schlotthauer). Der Titel solcher Ausgabenkann also für die Bezeichnung der Hoi.m:iNschen Totentanzbilder, dievöllig unabhängig von dem ihnen später aufgezwungenen Text ent-standen und zuerst auch ohne ihn veröffentlicht wurden, nicht mass-gebend sein. Und so scheint es einzig richtig, das historische Vor-recht des NamensTotentanz" anzuerkennen, um so mehr als dieZeichnungen des Alphabets und der Dolchscheide einen anderenNamen überhaupt nicht besessen haben und, namentlich die letztere,auch nicht zuliessen.

Holbeins Totentanz steht nicht nurin Hinsicht der künstlerischenErfindung als sein Meisterwerk da" (Woltmann), sondern wir habendabei die seltene Erscheinung, dass der Künstler denselben Gegen-stand dreimal, und jedesmal nach durchaus anderen Gesichtspunktenausführte*). Um die Beziehungen dieser drei verschiedenen Be-arbeitungen zu einander richtig beurteilen zu können, muss vor allemihre Zeitfolge festgestellt werden. Die Zeichnung zur Dolchscheidemuss vor 1521 entstanden sein, da sie auf einer wirklichen Dolch-scheide ausgeführt ist, deren von Urs Graf gravierter Dolch dieJahreszahl 1521 trägt (Woltmann, S. 260). Später erst entstandendas Alphabet und der grosse Totentanz; denn Lützelburger , derdiese in Handzeichnungen nicht bekannten und daher wahrscheinlichgleich auf Holz gezeichneten Bilder schnitt, kam erst nach 1522 nachBasel. Es fragt sich nun, welche von beiden Reihen die frühere war.Wackernagel meint, dass das Alphabet, das ebenfalls keinen Toten-tanz, sondern nur Bilder des Todes enthalte, eigentlich bloss einAuszug des grösseren Cyklus sei**), eine Auswahl von 24 Paarenaus den 41 Paaren des letzteren, die dem Künstler die charakteri-stischen schienen und auch in derselben Reihenfolge geordnet seien(S. 366). Es ist merkwürdig, dass ein sonst so scharfsichtiger und

*) Nachdem die weitläufig begründete Hypothese Vögei.ins, dass das Churer Wandgemäldedie erste und originale Form des HoLBEiNschen Totentanzes sei (No. 71), allseitigen Widersprucherfahren hat, gehe ich nicht mehr darauf ein.

.....) Woltmann scheint dieser Frage keine sonderliche Bedeutung beizulegen, da er es

unerörtert auf sich beruhen lässt, ob das Alphabetim Verhältnis eines Auszugs oder eines Vor-bildes" zum grösseren Totentanze stehe (S. 260, 280).