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Entwickelung unseres Gegenstandes für alle verwandten Darstellungengebilligt, so dass, nach Wackernagels eigenem Citat (S. 370), selbstein blosser Dialog zwischen dem Tod und dem Menschen vom Jahr1 544 jenen Namen trägt. Und auf der anderen Seite ist der vonWackernagel vorgeschlagene Name „Bilder des Todes", wie sichaus der weiteren Untersuchung ergeben wird, sachlich nicht mehrberechtigt als der „Totentanz".
Ich kann hier aber Woltmanns Bemerkungen in derselbenSache nicht übergehen, weil sie in die besondere Entstehungs-geschichte der HoLBEiNschen Bilder übergreifen. Woltmann legtnämlich bei seinem Widerspruch gegen die Bezeichnung „Totentanz"den Nachdruck darauf, dass der Titel der Originalausgaben „Simu-lachres de la mort" und „Imagines mortis" laute, und deshalb auchdie späteren Ausgaben nur als „Bilder des Todes" zu bezeichnen seien(No. 78, II, S. 240). Meines Erachtens verdient aber dieser Titeldie ihm zugewiesene Autorität nicht. Denn mindestens zwölf Jahre,bevor die erste jener französischen Originalausgaben erschien (1538),wurden die HoLBEiNschen Holzschnitte des grossen Totentanzes mitdeutschen Überschriften veröffentlicht*) und später von HolbeinsZeitgenossen Basilius Amerbach, ebenso wie die Zeichnung derDolchscheide, als „Totentanz" und „Chorea mortis" verzeichnet(Woltmann II, S. 45, 47, 199). Von diesen sogenannten Probe-drucken sind ausserdem so viele Exemplare hergestellt worden,dass man sie mit Recht eine erste Ausgabe genannt hat (Massmann,No. 46, S. 10) und auch heute nennen darf, besonders da von einemursprünglich für sie bestimmten Texte nichts bekannt ist. Dagegenstanden sie nachweislich mit jenen viel später erschienenen LyonerAusgaben in keinem anderen Zusammenhange, als dass die in Baselund unter dem Einfluss des Grossbasler Totentanzes entstandenenHolzstöcke nach ihrer ersten Benutzung als Gläubigergut in dieFremde gerieten, um dort nach dem Gutdünken der neuen Be-sitzer zur Illustration eines der damals üblichen Erbauungsbücherverwendet und durch abgeschmackte Verse interpretiert zu werden,ähnlich wie die Danse macabre in die Heures überging. Wie will-kürlich dabei verfahren wurde, ersieht man wohl am besten daraus,
(1
•) Der Holzschneider Lützklburger , der als Besitzer der Holzstöcke wohl auch ihre Ab-drücke besorgte, starb 1526; auch giebt es Kopien nach diesen Abdrücken aus dem Jahr 1527(Woltmann, No. 78, II, 178).