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Friedhof, die strenge Rangordnung wurde teilweise gelöst, Frauen derverschiedensten Stände mischten sich unter die Männer. Nachdemauch die Prediger verschwunden waren, blieb von allem, was andas alte Schauspiel unmittelbar erinnerte, kaum etwas zurück; dieTodesmahnung war natürlich noch immer an die ganze Darstellunggeknüpft, verlor aber ihren ausschliesslich lehrhaften Charakter,da durch die Isolierung der Paare die Aufmerksamkeit mehr diesenund den besonderen Lebensschicksalen der einzelnen Personen zu-gewendet und daher die freiere Ausbildung dieser Einzelgruppenangebahnt wurde. In Klein-Basel konnten aber weitere Schritte indieser Richtung nicht auch noch erwartet werden; nur in der Scenedes Wucherers sehen wir einen Versuch des Künstlers, diese Freiheitzu benutzen.
In anderer Weise vollzog sich aber der Fortschritt in der Kopiejenes ältesten Totentanzgemäldes in Gross-Basel, ein Fortschritt, derübrigens ohne den Zwang der Kopie gewiss noch entschiedener aus-gefallen wäre. Durchweg zeigt sich dort das Bestreben, über dasSchema hinauszugehen; die Toten gewinnen mehr Leben und Be-wegung, ihre Leiber werden deutlicher leichenhaft, der Tanz und ihrsonstiges Gebaren wird ungestümer, das Sterben ihrer Partner auf-fälliger geschildert; es mischen sich schon Humor und Satire, Zügedes wirklichen Lebens in die Darstellung (Wucherer, Kaufmann,Blinder u. s. w.). In steigendem Masse nahm das Interesse an solchenEinzelgruppen zu und trat die Bedeutung der kirchlich strengenPredigt zurück; und wenn ich auch keineswegs die Ansicht Wolt-manxs teile (No. 78, S. 251), dass das Grossbasler Gemälde eine voll-kommen selbständige, sich über den Text erhebende Schöpfungist — es führt nur auf dem in Klingenthal eingeschlagenen Wegeweiter*) — so ist doch zuzugeben, dass darin unverkennbar derletzte Schritt angedeutet ist, den die Entwickelung des Totentanzeszurücklegen musste, um die Höhe wirklicher bildender Kunst zuerreichen. Nachdem das kirchliche Drama von der Todesnot sichin den dichterisch gefälligeren Totenreigen verwandelt hatte, war diekünstlerische Fortbildung an die einzelnen Gruppen, an ihre Aus-gestaltung zu vollständigen, in sich abgeschlossenen Bildern geknüpft,
W'oi.TMANN scheint mir Auffassung und Ausführung zu verwechseln; die erstere, dieallein ein selbständig Xeues schaffen kann, ist in Gross-Basel nicht wesentlich verschieden vonderjenigen in Klein-Basel, woran die im einzelnen freiere, lebendigere Ausführung nichts ändert.