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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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wodurch die alte einseitige Predigt und der einer ähnlichen Ent-wickelung nicht fähige Text gegenstandslos wurden und verschwindenmussten. An diesen Aufgaben versuchte sich allerdings der Gross-basler Künstler, es blieb aber bei den bescheidenen Versuchen.

Ungleich energischer ging Manuel an das Werk, durchbrachhier und dort die Schranken der Tradition, benutzte gelegentlich dieverschiedensten Mittel zu einer freieren Ausbildung der einzelnenScenen, kam aber doch im ganzen über die schon in Gross-Baselerreichte Stufe nicht hinaus, weil er die leise anklingende neue Auf-fassung nicht zielbewusst weiter ausbildete, sondern einer rücksichts-losen Ausbeutung der überlieferten Mittel zu besonderen religiösenund socialen Zwecken huldigte und dabei in allem das richtigeEbenmass vermissen Hess. Er steigerte die Leidenschaft der Totenin demselben Masse, als er die Lebenden zur apathischen Ruhe desPorträts zwang; die Neigung zur Satire reizt ihn nicht nur zuberechtigtem Angriff, sondern auch zu völlig unmotivierten Über-treibungen , wie z. B. zur Karikatur der Totengestalten; während erbeliebig die Paare in grössere Gruppen verwandelt, kommt es dochnicht zu wirklichen Lebensscenen. Kurz, Manuel benutzte die durchdie Basler Totentänze gebotene Freiheit einer ausgiebigen Umbildungdes Gegenstandes wohl zu manchen originellen und schönen Einzel-heiten , verfuhr aber im ganzen planlos und verfehlte ein höheresZiel. Die überschwängliche Anerkennung, die ihm gelegentlich gezolltwurde, ist im besten Falle aus jenem Einzelnen zu verstehen; ver-allgemeinert würde sie nur eine Verkennung dessen bezeugen, wo-durch der Totentanz allein zu rechter Kunst führen konnte.

Ich kann nicht schliessen, ohne der alten oberdeutschen Hand-schriften oder vielmehr der mit ihnen zusammenhängenden Holz-schnittwerke zu gedenken, die freilich inhaltlich keine bedeutendeStelle in der Geschichte des Totentanzes einnehmen die Auf-nahme der beiden Prediger mit ihren ganz kirchlich zugeschnittenenAnreden und die unnötige Beschränkung der Zahl der Stände könntenselbst als Mängel bezeichnet werden, aber in anderer Hinsichtvon Bedeutung waren. Es waren die ersten Drucke des Toten-tanzes ca. 40 Jahre vor den französischen erschienen, die imengsten Anschluss an das Klingenthaler Werk entstanden, zuersteine wirklich ausgiebige Verbreitung dieser volkstümlichen Darstellungvermittelten und abgesehen von dem Einfluss, den sie allerorten