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Klosterfrauen in den letzteren durchbricht die Regel, ist aber wohlnur von lokaler Bedeutung. Etwas grösser sind schon die Neue-rungen in Paris. Neben dem Ausfall des Musikers und der Schluss-gruppe ist besonders der künstlerische Sinn in der äusseren An-ordnung hervorzuheben (Doppelpaare und Einrahmung derselben);ferner sind hier noch die freilich unscheinbaren Ansätze zurweiteren Ausbildung der Einzelpaare (Wucherer, Arzt) zu nennen,die aber in den späteren französischen und norddeutschen Nach-ahmungen unverstanden erstarrten, und endlich die ebenfalls durchlokale Beziehungen veranlasste Einfügung des toten Königs, der,obschon ein ganz ungehöriger Zusatz, als neue Variante der Todes-mahnung zahlreiche Nachfolger erhielt und deshalb schon früh dieRichtung andeutete, in der der französische Totentanz ausvvuchs*).In Kermaria wurde das Pariser Gemälde recht gedankenlos nach-geahmt, indem der vollkommene Kettenreigen in störender Weisemit den vermehrten Arkaden verbunden und der Arme, der alsNebenperson gar nicht in den Reigen gehörte, trotzdem in ihnaufgenommen wurde.
Die vorhin angedeuteten Auswüchse nahmen in den Druck-ausgaben der Pariser Danse macabre überhand; an 'Stelle wirklicherEntwicklung trat nun Anhäufung eines minderwertigen und teilweiseunpassenden Stoffes, und der Übergang aller dieser Bilder in dieHeures zeigt deutlich, in welchem Sinne der französische Totentanzverwertet wurde. Er blieb bei aller Popularität wesentlich einKunstmittel der Kirche, die ihn erfunden hatte. — Auch die aus-wärtigen unmittelbaren Nachahmungen des französischen Schauspielsund Gemäldes in England, Italien, Norddeutschland zeigen uns kaumeinen Fortschritt; im Gegenteil sind namentlich das Lübecker unddas Revaler Gemälde gerade durch die naive Treue der Überliefe-rung für die Geschichte des Totentanzes von grosser Bedeutung ge-worden. Alle diese Gemälde bleiben auf dem schematisch didak-tischen Standpunkte des französischen Schauspiels und insofernauch bei seiner dramatischen Darstellungsform stehen, als sie in demKettenreigen und in der Behandlung der Totengestalten die unmittel-bare Beziehung aller Sterblichen zu der einen Person des Todes
*) Die Verwandlung des Predigers in den geistlichen Acteur ändert die Bedeutung dieses ein-leitenden Bildes für den Totentanz nicht, sondern bezeichnet bloss die Eitelkeit des Mannes, deinwir nichts weiter verdanken als eine recht flüchtige Bearbeitung des Schauspieltextes für das Gemälde.
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