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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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geboten haben, das erspriessliche Thema des Memento mori inbesonders sinnenfälliger Weise ihrem Publikum vorzuführen: es ent-stand das geistliche Schauspiel des Totentanzes, worinderselbe Gedanke im Prolog und Epilog der leitenden Veranstalter(Prediger) mehr allgemein, und in den Wechselreden des Todes mitden der Reihe nach vorüberziehenden Ständen individualisiert ge-predigt wurde. Das einzige, was über den Rahmen einer solcheneinfach illustrierten Busspredigt hinausging und bestimmt war, in volks-tümlich packender Weise die Sinne des Zuhörers zu fesseln, war dieYeranschaulichung des Sterbens durch den von Musik begleitetenTanz, den der Tod mit seinem Opfer ausführte. Der Ursprungdieser eigenartigen Illustration des Todes ist unbekannt.

Dieses in Frankreich entstandene Schauspiel fand sehr baldAnklang und Verbreitung, später hauptsächlich in bildlichen Nach-ahmungen als Wandgemälde. Dabei wurde die Abänderungnötig, dass die paarweise Verbindung, die der Tod mit jeder dervorüberziehenden Personen abwechselnd darstellte, im Bilde in ebensovielen Paaren nebeneinander, die Person des Todes also vervielfältigterschien. Diese gemalten Totentänze sondern sich nun, wie dievoranstehenden Untersuchungen ergeben, in historischer und künst-lerischer Richtung in zwei Reihen, die französische und die oberdeutsche.

i) Die französischen Gemälde sind gekennzeichnet durchdie enge Anlehnung an das Schauspiel, was sich selbst in demscheinbar Neuen zu erkennen giebt, in dem Kettenreigen und denTotengestalten. Der Kettenreigen, dadurch gebildet, dass der Totejedes Paares es mit dem vorausgehenden Paar verbindet, ist derbildlich allein mögliche Ausdruck für die Einheit des dramatischenVorgangs, dass der eine Tod alle Stände nacheinander empfängtund abführt. Und die zahlreichen Totengestalten haben Aussehen,Attribute und die Bedeutung für die Lebenden von jenem Tode desSchauspiels übernommen und bewahrt, so wenig es auch mit ihrerZahl und dem Kettenreigen übereinstimmt. Selbst die hierarchische

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Rangordnung der Stände wird streng eingehalten und die Frau imallgemeinen vom Reigen ausgeschlossen.

Am vollständigsten ist die alte Form in La Chaise-Dieu er-halten : da sitzt noch der musizierende Mönch zu Füssen des Pre-digers und am Schlüsse zeigt sich noch die Gruppe der unbenanntenStände, die so wenig zum Reigen passt. Nur die Einfügung zweier