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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
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<*anz anders verhalten sich aber die ihm vorausgehenden Bilder.Vögelin sagt darüber (S. 87):Dieser theologische, den Ursprungund die Überwindung des Todes darstellende, seine Herrschaft überdas Menschengeschlecht erklärende Eingang ist eine für Mantelsreformatorische Tendenz höchst charakteristische Neuerung." Ichmöchte aber die Neuerung in diesen Bildern auf ein bescheideneresMass zurückführen, nämlich nur auf die Illustration dessen, was schonin früheren Totentänzen enthalten war.

Die Verbindung des Paradieses mit dem Totentanz zur Ver-anschaulichung des Ursprungs des Todes ist keineswegs ein Manuel-scher Gedanke. Schon im 14. und 1 5. Jahrhundert wurde der Sünden-fall mit dem Tode neben Adam und Eva als Illustration des uraltenGedankens: der Tod ist der Sünde Sold in Miniaturen häufigdargestellt (Frimmel). Solche Bilder fehlten allerdings den meistenalten Totentänzen, weil der Sündenfall im alten Schauspiel nichtvorkam und auch in den Rahmen des Totentanzes gar nicht passte,sondern allenfalls in der Ansprache des Predigers erwähnt werdenkonnte. Dennoch finden wir das populäre Bild in La Chaise-Dieuund in Gross-Basel beim Totentanze, freilich nicht in aufdringlicherWeise, sondern, sei es am Anfang oder am Ende, als eine von denAuftraggebern empfohlene schickliche Ausfüllung eines übrigen Platzes(Wackernagel, S. 348), wobei auch ein Bild des Todes vermiedenoder dieser nur durch den Totenkopf der Schlange angedeutet wurde.

In Bern schloss sich aber an den Sündenfall noch das Bild vonMoses auf dem Sinai und der Gekreuzigte mit dem neben ihm stehen-den Tode. Nach dem Text bedeuten die Bilder: nachdem durchden Sündenfall der Tod in die Welt gekommen, wurden die Gebotegegeben, durch deren Befolgung der Mensch nach dem Tode wiederins Paradies zurückkehrt; endlich hat der Tod Christi die gläubigeMenschheit von den Schrecken des Todes befreit. Dieser Gedanken-gang ist nichts weniger als ein reformatorischer, sondern entspricht imallgemeinen durchaus der Predigt der Danse macabre und der Hand-schriften, sowie andererseits dem Text des Schlussbildes von Bernselbst, wohin Manuel den Prediger mit dem Schädel in der Handstellte. Er hat also, vielleicht auf Geheiss seiner Auftraggeber, ein-fach die alte Predigt illustriert, uud diese Illustration auf den Anfangund den Schluss des ganzen Gemäldes verteilt. Neu war also nichtdie theologische Auseinandersetzung, sondern bloss ihre bildliche