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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Dann bleiben aber nur so wenige zweifelhafte und unbedeutendeDifferenzen übrig, dass sie das Gesamtergebnis kaum berühren,wonach das Grossbasler Gemälde seit 1568, bis auf die Ver-nichtung der beiden letzten Bilder (der Maler und seine Familie),keine nennenswerte Veränderung erlitten hat, und dass sein Zu-stand in derselben Zeit nur von Büchel richtig wiedergegeben ist,nicht aber von Merian , der jede Abänderung für erlaubt hielt, dieihm passend schien*).

Und zwar bezieht sich dieser Unterschied nicht nur auf diebeschriebenen Details an den einzelnen Personen und ihre Gruppie-rung , sondern auch auf die allgemeine Bildung der Toten. AusMerians Kupfern gewinnt man eine ganz falsche Vorstellung vonden Totengestalten des ursprünglichen Grossbasler Totentanzes(Fig. 5255). Sie sind bei ihm kaum noch mager zu nennen undoft mit recht kräftigen Gliedmassen, unter anderem beinahe durch-weg mit Waden versehen, was um so mehr mit dem Bauchschlitzund den zerrissenen Weichteilen im Widerspruch steht, die aneinigen dieser Gestalten nach dem Original wiederholt sind. BeiBüchel sieht man solche Gegensätze nicht; die übertriebene Mager-keit und Schmalheit der Toten, die stark hervortretenden und nichtselten blossgelegten Knochen bezeugen das Bestreben, den tradi-tionellen nackten Schädel mit einem Körper zu verbinden, der denEindruck einer wirklichen, mehr oder weniger verwesten Leichemacht. Nachdem uns Büchels Kopie schon in so vielen Dingenals eine treue Wiederholung des Gemäldes seit 1568 erschien,werden wir auch in dieser Beziehung seine Darstellung für dieglaubwürdigere erklären und darauf hin in Gross-Basel einen sehrverständlichen Fortschritt gegenüber den mehr charakterlosen Toten-gestalten Klein-Basels anerkennen.

Damit ist der Vergleich von Merian und Bücher vorläufig er-ledigt, und zwar ausschliesslich zu Gunsten des letzteren. Dies fälltaber nicht ohne weiteres mit der von Burckhardt geäusserten An-sicht zusammen, dass das Grossbasler Gemälde von 1568 an keinewesentlichen Veränderungen erlitten hätte; denn er geht dabei gerade

) Über den landschaftlichen Hintergrund einiger Bilder lässt sich ein sicheres Urteil nichtfällen. Bei MRRIAN fehlt er ganz, Chovin zeichnet ihn einigemal in der zweiten Hälfte der Reihe,BÜCHEL auf den neun ersten Bildern. Ursprünglich ist er jedenfalls nicht, wann er aber dazukam,lässt sich nach jenen Daten nicht entscheiden.