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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Gegen die Annahme Massmanns sprechen aber noch viel ge-wichtigere Gründe. Das Bild des Apothekers verrät eine ganz andereHand, als die den Totentanz schuf. Die Toten der ersten 24 Bilder(vgl. Fig. 4648) haben magere Leiber mit durchscheinendenKnochen, aber nur selten und zwar nur am Ellenbogen eine Quer-teilung des Gelenks; im übrigen sind ihre Formen, soweit die Kunstdes Zeichners reichte, natürlich, so dass weder die Beine ungewöhn-lich angeschwollen erscheinen, noch die Waden fehlen, wie es inKlingenthal der Fall war. An dem roh gezeichneten Schädel sinddie Augenhöhlen durchweg durch einfache schwarze Flecke, dieNase durch einen nach unten offenen Winkel dargestellt. Der Totedes Apothekers (Fig. 45) zeigt da-gegen an Stelle der AugenhöhlenKreise mit einem schwarzen Cen-trum , also eine Andeutung derAugen selbst, getrennte rundeNasenlöcher, überaus hölzerneGliedmassen mit einer Querteilungaller Gelenke, knotiger Anschwel-lung der Kniee und einen voll-ständigen Mangel der Waden.Auch am Apotheker selbst ist dieBehandlung der Gesichtszüge unddes Haares eine ganz andere wiean den übrigen Personen desTotentanzes. Auf Grund dieserGegensätze kann man mit grosser

Sicherheit behaupten, dass das Bild des Apothekers und die übrigenBilder in H 2 von zwei verschiedenen Zeichnern angefertigt wurden.Dann versteht es sich auch, warum das erstere als ein nachträglicher,späterer Zusatz ausser der Reihe und am Ende erscheint.

Noch mehr. Einer aufmerksamen Prüfung kann es nicht ent-gehen, dass von den 25 ersten Bildern (24 Paare des Totentanzesund der Prediger) kaum eins solche Schäden vermissen lässt, wiesie durch eine starke Abnutzung der Holzstöcke entstehen, nämlichUnterbrechungen der Konturen und des Rahmens, ja selbst grössereLücken in den Bildern und dem darüber und darunter befindlichenText (s. Massmanns Atlas No. 50). Das Bild des Apothekers zeigt

Fig. 46.

Edelmann aus den Heidelberger Holzschnittendes Totentanzes, nach dem Original.