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denen zunächst nur die Existenz bezeugt ist (vgl. Seelmann, S. 56—59)und in denen man daher immer noch das gesuchte Vorbild vermutenkönnte, keins älter ist als die Pariser Danse macabre, die ja selbstdirekt nach dem Schauspieltext gemacht war, während der BaselerTotentanz wenigstens in seinem Text ein viel höheres Alter anzeigt.
Nach Wackernagel (S. 316, 328) gehört die Dichtung des ober-deutschen Totentanzes dem 14. Jahrhundert an. Gewisse nieder-rheinische Sprachformen in dem Klingenthaler Text sollen aber nachallgemeiner Annahme dadurch zu erklären sein, dass der Maler vomNiederrhein stammte (Massmann, Wackernagel, Burckhardt, S. 58)*).Nun giebt es zwei Möglichkeiten: entweder der Text hatte schoneine gewisse Zeit existiert, bevor der Maler dazu kam und ihn zumGemälde benutzte, oder Text und Bild entstanden gleichzeitig unddaher das letztere ebenfalls schon im 14. Jahrhundert, was an sichnicht unmöglich wäre. Dennoch entscheide ich mich für das erstere,weil manches vom Inhalte des Textes ebenso bestimmt auf ein Schau-spiel hinweist, wie es andererseits mit dem Bilde in gar keiner Be-ziehung steht. Dahin gehört erstens die besprochene schwarze Farbeder Toten (s. 0. S. 16, 17), die ja in Klingenthal nur ein einziges Malangedeutet, im übrigen aber viel älteren Ursprungs war als diesesTotentanzgemälde; ferner gehören dahin die eben erwähnten Hin-weise der Toten auf ihre Genossen und ihren Tanz, sowie die Anrededes Kindes an die Mutter und deren Antwort**) — lauter Dinge,die für ein in einzelne getrennte Paare zerfallendes Gemälde nichtpassen, aber sich einfach erklären, wenn diese Paare auf einemPlan, auf einer Bühne sich nebeneinander befinden. Ich halte esdaher für sicher, dass der niederrheinische Maler in Basel einenoberdeutschen Schauspieltext des Totentanzes aus dem 14. Jahr-hundert vorfand, den er seinem Gemälde zu Grunde legte.
Ob dieser Text zu wirklichen Aufführungen diente, wie Wacker-nagel annahm, oder nicht (Seelmann, S. 33), lässt sich allerdings
*) Die von mir begründete Annahme eines zweiten Malers bietet dabei keine Schwierigkeit, danichts natürlicher ist, als dass er ein Landsmann des ersten, vielleicht sogar sein früherer Gehilfe war.'"~) Kind: O we min liebes mutterlin
Ein Magere man zucht mich dahinAde wilt Du mich also lanIch motz danzen ich kan noch nit gon.Mutter: O Kant ich wolt dich han erloistSo ist entfallen mir der Ion — —