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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Frankreich entstanden sein mag, erst in seiner Umbildung zum BaselerTotentanz wird er uns verständlich; und ebenso ist die Musik durchdas Beinhaus in natürlichster Weise in den Reigen selbst eingeführtworden. Aus dieser ganz neuen Auffassung ergeben sich aber nochandere Folgen. Basel kennt den Kettenreigen nicht, der sich wohlbei einem möglichst engen Anschluss an das altfranzösische Schau-spiel empfahl, aber wenig passend erschien für die Veranschaulichungdes neuen Gedankens, dass die Sterbenden aller Stände von ihrenToten dorthin abgeführt werden, wo das Totenfest ihrer wartete.Denn jenes Schauspiel zeigte im Reigen unmittelbar auch schon dieVereinigung aller Anwesenden am gemeinsamen Ziel, während derBaseler Tanz uns gewissermassen den Aufbruch der Sterbenden zuihrem letzten Gang schildert, die daher von verschiedenen Seitenund getrennt voneinander herannahen. Und dies ist um so bedeut-samer, als die spätere Entwickelung des Totentanzes überhaupt nuran die völlig getrennten Paare anknüpfen konnte, die erst in Baselaufkamen. Endlich war durch die neue Auffassung der ursprüng-liche, kirchlich-lehrhafte Charakter des geistlichen Schauspiels zurück-gedrängt; daraus versteht sich das völlige Verschwinden der Predigerund die Vernachlässigung der traditionellen schematischen Anordnungin der Reihenfolge der Stände.

Dieser grosse Abstand unseres Bildes von dem französischenSchauspiel ist bisher wenig berücksichtigt worden, wenn es sich umden Ursprung des ersteren handelte. Im allgemeinen begnügte mansich dabei mit der Feststellung der Zahl und Auswahl der Stände.Sobald es darauf allein ankäme, könnte allerdings der Baseler Toten-tanz mit demselben Recht wie etwa der Lübecker direkt auf dasfranzösische Schauspiel zurückgeführt werden. Im übrigen begegnenuns aber in Basel so grosse Abweichungen grundsätzlicher Art, dassvon einem unmittelbaren Anschluss dieses Gemäldesan das französische Schauspiel nicht die Rede seinkann. Ebensowenig lässt sich an eine Vermittelung durch französischeGemälde denken; denn einmal wissen wir nichts von solchen, diegerade in der Richtung des Baseler Gemäldes vom Schauspiel ab-wichen, und dann ist auch ihre Existenz bei der sonstigen wesent-lichen Übereinstimmung der bekannten französischen Gemälde sehrunwahrscheinlich. Endlich wird bei allen solchen Versuchen völligübersehen, dass von den zahlreichen französischen Gemälden, von