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nicht direkt entscheiden. Nur geht Seelmann zu weit, wenn er über-haupt den „dramatischen Zweck" unseres Textes leugnet. Er stütztsich dabei unter anderem darauf, dass der letztere Hinweise auf einGemälde enthalte, nämlich in der Anrede des Predigers der Hand-schriften. Er übersieht nur, dass gerade dieses Stück der Hand-schriften in Klingenthal und Gross-Basel fehlte, dass wir nicht dasgeringste Merkmal für seine frühere Existenz in diesen Gemäldenkennen und dass andererseits Wackernagel es nach Sprache undVersbau für einen jüngeren Zusatz aus dem i 5. Jahrhundert erklärte(S. 328). Es kann daher diese Stelle nichts gegen den dramatischenCharakter des Klingenthaler Textes beweisen*). Diese Sachlagewürde sich nicht einmal verändern, wenn die bezüglichen Worte imKlingenthaler Wandgemälde gestanden hätten; denn es würde sichdann nur wiederholt haben, was wir von der Pariser Danse macabrewissen: während der Schauspieltext im wesentlichen unverändert indas Gemälde übernommen wurde, fügte man, ebenfalls in der Anrededes Predigers, Hinweise auf das letztere hinzu, was doch jenen Textals einen dramatischen nicht desavouierte.
Endlich trifft auch der von Seelmann hervorgehobene Mangelan jeder Nachricht über scenische Aufführungen eines deutschenTotentanzes im 14. Jahrhundert nicht das, was hier in Rede steht.Gegen die unbewiesene Behauptung Wackernagels, dass es einsolches Drama gegeben habe und dass es gespielt worden sei, magjener Einwand mit Recht erhoben worden sein. Ich habe dagegen imKlingenthaler Text die Merkmale aufgedeckt, die mit dem Gemäldegar nichts zu thun haben und nur in einer zur Aufführung bestimmtenDichtung zu verstehen sind. So lange dies nicht vollständig wider-legt ist, kann ich dem erwähnten Einwand ein Gewicht nicht zugestehen.
Ungleich wichtiger als die Frage, ob dieses oberdeutsche Dramagespielt wurde oder nicht, ist die Thatsache, dass es sich von derForm des altfranzösischen Dramas in recht wesentlichen Stückenentfernt hatte. Denn es treten in ihm alle Stände mit deutlichgekennzeichneten Toten paarweise verbunden und mehr oder wenigergleichzeitig auf, es wird auch die Totenmusik erwähnt, und es ist
') Wenn Seelmann zur Unterstützung seiner Ansicht noch eine ähnliche Stelle aus dem,,Dotendantz u citiert, so braucht man nur zu wissen, dass diese nur für den Bilderdruck bestimmte,mit unverkennbaren Anklängen an die Danse macabre durchsetzte Dichtung aus der zweiten Hälftedes 15. Jahrhunderts stammt, um einzusehen, dass sie für unsere Frage von keiner Bedeutung ist.