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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Nach dieser Feststellung wäre es willkürlich, in dem fraglichenKreuzgang von 1437 wenigstens den nördlichen Flügel zu vermuten.Denn es ist gewiss natürlicher anzunehmen, dass die einzelnen Flügeldes Kreuzgangs im Anschluss aneinander entstanden, dass also derAbschnitt, der 1437 demjenigen vor dem Chor (a) unmittelbar voran-ging, entweder der östliche (e) oder, was wahrscheinlicher ist, der-jenige vor der Laienkirche (b) war; denn letzteres scheint mir zumWortlaut des Klosterbuches am besten zu passen. Danach wäre dernördliche Flügel wahrscheinlich ebenfalls vor 1437 erbaut, was übrigensfür die Bestimmung des Alters des Totentanzes nicht entscheidendist. Denn da er als Anbau nur mit Decke und Dach sich an dasHauptgebäude anschloss, konnte dessen Wand schon vorher bemaltsein, ehe sie zur Hinterwand des Kreuzgangs wurde. Dies ist umso wahrscheinlicher, weil wir wissen, dass gerade in Klingenthal diefreien Aussenwände der Kirche u. s. w. mit Gemälden bedeckt waren(BCchel), und weil der Grossbaseler Totentanz ebenfalls auf eine offeneKirchhofsmauer gemalt und erst nachträglich durch einen hölzernenVorbau geschützt wurde (Massmann No. 50, S. 53, Merian, Vorrede,Burckhardt No. 5). Mag man also die erwähnte Bemerkung desJahrzeitenbuches über Arbeiten am Dach des nördlichen Kreuzgangsauch auf seinen Bau überhaupt, und zwar ebenfalls um die Zeit von1437, beziehen, so kann die zugehörige zweite Hälfte des Totentanzesganz wohl früher gemalt sein, so wie die erste Hälfte lange vor dem-selben Jahr in dem ältesten Kreuzgangflügel hergestellt sein kann.

So komme ich zu dem Schluss, dass uns nichts zu derAnnahme zwingt, das Klingenthaler Gemälde sei erstnach 1437 entstanden. Freilich erklärt Burckhardt selbst, worinich ihm vollkommen beistimme, dass es nicht merklich, höchstens etwazwei Jahre später gemalt sein könne, weil die nachgewiesene alteMalweise zu einer späteren Zeit nicht passt. Dies muss natürlichvor allem für die zweite Hälfte gelten, die bis in unser Jahrhundertin der alten Malweise erhalten blieb; darunter befindet sich aberauch die Reihe No. 2739, die, wie ich zeigte, von einer anderenund späteren Hand herrührt als die vorausgehende Reihe No. 126,und daraus folgt, dass die Entstehung der letzteren in eine nochfrühere Zeit zurückreicht. Also ist das Jahr 1437 nicht dieuntere, sondern die äuss erste obere Zeitgrenze fürdie Entstehung des Klingenthaler Totentanzgemäldes.