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er von derselben Länge, also ansehnlich kürzer als der westlicheKreuzgang. Nach der MERiANSchen Zeichnung des Klosters Klingen-thal (Fig. 44) war jedoch der nördliche Kreuzgang länger als derwestliche, so dass er, selbst eine Ungenauigkeit der MERiANSchenZeichnung zugegeben, hinter dem letzten Bilde des ganzen Toten-tanzes noch eine ansehnliche freie Wandfläche besessen haben muss.Von einem Raummangel, der den Maler bewogen haben konnte, gleichdas erste in seiner Vorlage angeblich vorhandene oder vorgeseheneBild des Predigers auszulassen, kann also gar nicht die Rede sein.
Es ist aber auch die Möglichkeit auszuschliessen, dass die demBeinhause vorausgehende Thür erst nachträglich durchgebrochen unddadurch etwa ein vorher an ihrer Stelle vorhanden gewesenes Prediger-bild beseitigt wurde. Denn auf der anderen Seite stiess nach BücheesZeichnung jenes sehr alte und halbverwischte Heiligenbild mit latei-nischer Inschrift an dieselbe Thür, so dass der Zwischenraum zwischenihm und dem Anfange des Beinhauses über dem Thürbogen für dieDarstellung des Predigers lange nicht gereicht hätte. Ich stimmealso darin mit Burckhardt überein, dass ein Prediger im Klingen-thaler Wandgemälde von Anfang an gefehlt hat; aber nicht deshalb,weil es an Raum dafür fehlte, sondern — worauf ich eben Gewichtlege — weil diese Figur in der Vorlage des Malers offenbar garnicht vorkam. Dies wird durch die Untersuchung der übrigen ober-deutschen Totentänze vollends bestätigt.
Das Beinhaus, ein mit Totenschädeln angefüllter halboffenerBau, vor dem zwei Tote mit Trommel und Pfeifen musizieren, istnach Wackernagels Vermutung ebenfalls dem Schauspiel entnommen,das dem Gemälde zu Grunde lag; jene Toten „mochten das Spiel,wie auch sonst im Beginn eines Dramas sich Musik vernehmen Hess,eröffnen und dann mit Trommel und Pfeife den Tanz begleiten"(No. 73, S. 333). Nun habe ich freilich aus dem Totentanz von LaChaise-Dieu nachgewiesen, dass sich im alten französischen Schau-spiel in der That ein Musiker neben dem Prediger befand; ergehörte aber nicht zum Totenreigen und trat daher auch nicht inder Totengestalt auf, die er vielmehr erst in Lübeck (?) und Revalerhielt. Das Baseler Beinhaus kann also nicht aus jenem Schauspielstammen, sondern ist allenfalls durch dessen Musiker veranlasst, imübrigen aber eine originelle und überaus glückliche Erfindung desBaseler Malers. Die blosse Einkleidung des beim Prediger sitzenden