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ÜBER EINIGE ITALIENISCHE TOTENTANZBILDER.
Für die Geschichte des Totentanzes sind die hier zu erwähnen-den italienischen Totentanzbilder weniger wichtig, da sie aus freienNachahmungen verschiedener Vorbilder hervorgingen, ohne demGegenstande neue Motive hinzuzufügen. Ich hebe daher nur ge-wisse Einzelheiten hervor.
Der Totentanz zu Clusone (vgl. Vai.lardi No. 70), deroffenbar noch dem 15. Jahrhundert angehört, ist bemerkenswert alsder älteste Totentanz mit wirklichen Skeletten. Sie sind freilichganz unrichtig gezeichnet, aber mit der unverkennbaren Absicht, nurdie Knochen wiederzugeben. Dies geht namentlich aus dem völligleeren Rumpf und der vollständigen Ansicht der Wirbelsäule vonvorn hervor. — Das um 1 500 in Venedig entstandene xylographischeBlatt mit fünf Totentanzpaaren (s. Schreiber No. 64), das durch dieReihenfolge der Stände (Bürger, Astrolog, Richter, Abt, Edelmann)*)an den französischen Totentanz erinnert, zeigt wieder Totengestaltenmit fleischigem Rumpf, etwa so wie in dem gedruckten „Dotendantz"(s. Abschn. 9). Dagegen finde ich in einem, dem Inhalte nachnur entfernt verwandten italienischen Doppelgemälde, dem Dogmadella Morte in Pisogne, das nach Vallardi derselben Zeit um1500 angehören soll (No. 70), den Tod zweimal durch ein Skelettdargestellt, das zweifellos nach der Natur, wenn auch wohl nichtnach einem vollkommen montierten Objekt gezeichnet ist. Ver-schiedene Personen dieses Bildes tragen Spruchbänder, deren In-schriften nach Vallardi unleserlich sein sollen; in der Abbildungerkenne ich aber deutlich deutsche Worte, die doch wohl nur voneinem deutschen Maler herrühren können.
Auch an dem Totentanz von Clusone ist die Entlehnung von dennördlichen Nachbarn nachweisbar. Da ein Text fehlt und eine Anzahlvon Paaren zerstört ist, so lassen sich nicht alle Personen sicher be-stimmen; immerhin kann jede der bekannten Reihenfolgen ausge-schlossen werden. Der fortlaufende Reigen oder wenigstens der engeAnschluss aller Paare aneinander erinnert an französische Gemälde. Diekenntlichen Personen des Amtmanns, des Jünglings, des Kaufmannsund des Sergeants (Vogt?) können sowohl französischen wie deutschen
*) Es ist die umgekehrte Folge der späteren Ausgaben der Danse macabre.