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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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Diese Vermehrungen hatten aber auf den eigentlichen Inhalt derDanse macabre keinen weiteren Einfluss, berührten in keiner Weiseihre ursprüngliche Auffassung und Form. Und die Art und Weise,wie sie ' mit dem stereotyp wiederholten ursprünglichen Werk ver-bunden wurden, ist geradezu eine gedankenlose zu nennen. DieGruppe der vier musizierenden Toten, die der ursprünglichen Dansemacabre ganz fremd ist, kann nur eine Entlehnung vom BaselerTotentanze sein; denn die Heures von 1490 (die erste Ausgabedieser Gebetbücher mit einem Totentanz, vgl. Massmann No. 49 undLanglois) enthalten zwei musizierende Tote vor einem Beinhause,also genau das alte Baseler Bild*). Während aber in Basel dieToten des Beinhauses die Tanzpaare mit Musik auf dem Friedhofeempfangen, also durchaus an ihrem Platz sind, haben sie in derDanse macabre eine ganz andere Bedeutung und erweisen sich alseine ganz unmotivierte Zuthat. Sie stehen nämlich auf demselbenWiesenplan wie der Totenreigen und halten ermahnende Reden andas Publikum, die ganz offenbar an diejenigen der drei Toten inder Legende anklingen**). Und da nun noch diese Legende selbstfolgt, deren Verwandschaft mit dem toten König schon erläutertwurde, so begegnen wir darin der Geschmacklosigkeit, dass diesedrei verschiedenen Totengruppen, die Musikanten, der tote Königund die drei Toten der Legende wesentlich dasselbe Geschäftbesorgen, das schon dem Acteur und dem Maistre zufiel.

Nicht weniger ungeschickt sind die übrigen Zusätze. Der Schrift-steller mit dem zweiten Epilog ist unmittelbar hinter dem Epilog desMaistre eine recht überflüssige Wiederholung; und die Einfügung derzehn neuen Tanzpaare wurde zum Teil ganz mechanisch besorgt.Wir sahen, dass der Tod der gemalten Danse macabre seine An-reden an drei Stellen, beim Karthäuser, dem Franziskaner (Cordelier)und dem Eremiten, mit einem letzten Bescheid an die vorausgehenden

*) .Eine weitere Entlehnung der Heures aus dem Grossbaseler Bilde, das darin wieder dasKleinbaseler wiederholte, ist der am Zahltisch sitzende Wucherer, der in der Danse macabre ganzanders dargestellt ist (Fig. 6, 69, 70). Derselben Quelle entnahmen dann gemeinsam die spätereDanse macabre und die Heures den Herzog, den Juristen (Promoteur), den Narren. Nach Bild undText ist selbst der Legat aus dem Grossbaseler Kardinal zurecht geschnitten, sowie die Herzogin einAbbild der Baseler Königin ist.

**) In jenen Reden der vier musizierenden Toten findet sich sogar die Anrede mit ,,du",wie in der Legende, obgleich ihnen andere Personen, wie etwa die Lebenden in der Legende, nichtbeigesellt sind.

Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder. 4