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sich aber dieser Auffassung nicht an, sondern sucht das Gegenteildadurch zu begründen, dass die Schlussworte des Kindes und dreiPersonen, der Prediger, die Kaiserin und die Jungfrau, gleicherweisein Lübeck und in Basel, aber nicht in Paris vorkämen; denn jenergemeinsame Besitz könne nur von dem gemeinsamen Vorbilde, demfranzösischen Schauspiel, herrühren, von dem also der Pariser Toten-tanz viel mehr abweiche (S. 31). Seelmanns Überzeugung von derUrsprünglichkeit des Lübecker Totentanzes geht sogar so weit, dasser ihn geradezu als „Übersetzung" eines altfranzösischen Schauspiel-textes bezeichnet, den er dem Pariser Text als einem abgeleitetenentgegengesetzt (S. 17, 23). Er übersah jedoch, dass die Existenzder angeführten Schlussworte des Kindes im Lübecker Gemälde nochganz hypothetisch ist (s. den Lübecker Totentanz) und dass der Unter-schied zwischen Acteur und Prediger sich nur auf das Bild, nichtauf den gleichen Inhalt und Text bezieht, so dass der ganze Beweissich eigentlich nur auf die zwei Personen der Kaiserin und der Jung-frau stützt. Wenn man aber auch von dieser Einschränkung desBeweises ganz absieht, so bleibt doch das ganze Beweisverfahren einrecht trügerisches. Denn da auf der anderen Seite auch Basel undParis vier Personen gemeinsam haben (Patriarch, Erzbischof, Advokat,Spielmann), die wiederum in Lübeck fehlen, so würde daraus nachdem von Seelmann vertretenen Grundsatz gerade das Gegenteil seinerFolgerung sich ergeben, dass nämlich Lübeck sich von dem Inhaltdes alten Schauspieltextes weiter entfernt habe als Paris.
Auf diesem Wege lässt sich also nichts entscheiden. Hält mansich dagegen an die, wie mir scheint, überzeugenden Indicien für dieim ganzen treue Wiedergabe des französischen Schauspiels in denGemälden von Paris und La Chaise-Dieu, so ist nichts natürlicher, alsdie Abweichungen in Lübeck, soweit sie sich an den oberdeutschenTotentanz anlehnen, auch direkt von diesem abzuleiten, der dochschon Jahrzehnte vor der Entstehung des Lübecker Gemäldes (c. 1463)in zahlreichen Abschriften und selbst Drucken verbreitet war (s. Ab-schnitt 9). Ich halte es daher für sicher, dass das Pariser Bild, ob-wohl es in manchen Einzelheiten vom Schauspiel abwich, geradein der Wahl und Reihenfolge der Stände sich genauer als irgendein deutscher Totentanz an dasselbe anschloss.
Die Untersuchung des Gemäldes von La Chaise-Dieu hat aber nochandere Vergleichspunkte als die erörterten ergeben: die merkwürdige