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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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fehlen aber in Paris, wo dafür der Arme des Wucherers und dertote König, die dem Schauspiel fremd und dort geradezu unmöglichwaren (s. S. 27), als für das Gemälde neuerfundene Personen figurieren;auch die Umbildung des Predigers in den geistlichen Verfasser ist,wenngleich von untergeordneter Bedeutung, ebenfalls als eine Ab-weichung vom Urtext anzuführen. Geht man also davon aus, dassin La Chaise-Dieu nach dem Pariser Text gearbeitet wurde, so musstedoch daneben auch der Schauspieltext benutzt worden sein, undzwar so, dass alle sicheren Abweichungen des Pariser Textes vonjenem Urtext vermieden wurden und dafür der letztere wieder-hergestellt wurde. Unter solchen Umständen ist es aber gar nichtzu verstehen, wozu der Pariser Text in La Chaise-Dieu sollte gedienthaben. Denn dass er etwa noch in anderen, uns unbekannten Fällenvom Urtext abwich und darin in La Chaise-Dieu befolgt wurde, isteben wegen jener nachweisbaren Treue von La Chaise-Dieu in derWiedergabe des Urtextes ganz unwahrscheinlich. Nach dem unsallein sicher bekannten Vorgehen des Malers von La Chaise-Dieumuss man vielmehr annehmen, dass er sich hinsichtlich des Inhaltesder Bilder. mit Ausnahme der beiden Frauengestalten strengan den Urtext hielt, wobei natürlich der Pariser Text ganz überflüssigwar, und dass, soweit er dabei mit seinem Pariser Kollegen überein-stimmte , dies auf einer Identität auch des Pariser Textes mit demSchauspieltext beruhte. Wir können also gar nicht anders schliessen,als dass an beiden Orten nach derselben Vorlage, nämlich nach demalten Schauspieltext gemalt wurde, in. La Chaise-Dieu mit genauerAnlehnung an ihn (bis auf die zwei Frauen), in Paris mit den grösserenAbweichungen in der Einleitung und am Schluss, so dass aber dereigentliche Reigen, abgesehen vom Armen des Wucherers, den Inhaltdes Schauspieles treu wiedergiebt.

Diese aus den allein bekannt gewordenen französischen Toten-tänzen abzuleitende Erklärung beweist, dass der spanische und deralte Lübecker Text, namentlich in der zweiten Hälfte, sehr viel mehrvon dem alten französischen Schauspiel, ihrem gemeinsamen Vorbilde,abweichen als eben jene französischen Gemälde selbst (s. Tabelle II).Auch erscheint es ganz natürlich und von vornherein wahrscheinlich,dass die Unterschiede von diesem Schauspiel, das in Frankreich ent-standen war, gerade bei den auswärtigen und nicht bei den fran-zösischen bildlichen Wiedergaben überwiegen. Seelmann schliesst