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Ich glaube daraus schliessen zu dürfen, dass die Zehenzeichnung voneinem ungeschickten Ausbesserer herrührt, während der erste Malerausschliesslich die andere Fussform verwendete, die wir schon inKermaria antrafen. Endlich verdient noch die bisher unbeachteteThatsache angemerkt zu werden, dass der Tote des Ritters ein weib-licher ist (Fig. 2).
Wie man sieht, besteht in der Bildung der Toten eine sehr merk-würdige Übereinstimmung zwischen den Totentänzen von Kermariaund La Chaise - Dieu, deren Erklärung ganz naturgemäss mit einerAltersbestimmung beider Gemälde zusammenfällt. Das Alter desTotentanzes von La Chaise-Dieu ist bisher sehr verschieden geschätztworden. Wackernagel versetzt ihn mitten ins 14. Jahrhundert,Jubinal, der in La Chaise-Dieu noch andere Malereien aus derselbenZeit studiert hat, auf Grund der dargestellten Trachten in die Mitteoder ans Ende des 15. Jahrhunderts. Ohne eine Vergleichung allerdrei französischen Gemälde lässt sich aber eine sichere Entscheidungnicht fällen.
Angesichts der so sehr verschiedenen Malerei in Paris undLa Chaise-Dieu kann man geeignete Anknüpfungspunkte in beidenGemälden nur in Bezug auf den allgemeinen Inhalt und die Reihen-folge der Bilder finden. Darin stimmen sie aber so sehr überein,dass man mit Sicherheit annehmen kann, die Maler hätten mit ge-wissen Abänderungen, die bei keiner Wiederholung unseres Themasfehlen, nach derselben Textvorlage gearbeitet. Es erhebt sich dannnur noch die Frage, ob diese Vorlage der ursprüngliche an beidenOrten benutzte Schauspieltext oder der in Paris für das dortige Ge-mälde verfasste Text war, der dann durch Abschrift nach La Chaise-Dieu gelangte, wo ein eigener Gemäldetext nicht existierte. Ichentscheide mich für das erstere aus folgenden Gründen.
Die Besonderheiten im Bilde von La Chaise-Dieu sind erstensdie zwei Frauen, die vermutlich auf einer lokalen Erfindung beruhen*),dann der musizierende Mönch neben dem Prediger auf der Kanzelund die Gruppe der unbenannten Stände, also Figuren, die, nachdem spanischen Text und dem Revaler (Lübecker) Gemälde zuschliessen, dem alten französischen Schauspiele angehörten. Sie
) Wären sie ursprüngliche Figuren des Schauspiels, so müssten ihre Stellvertreter in Paris,Karthäuser und Mönch, spätere Erfindungen sein; der Karthäuser ist aber in Lübeck vorhanden,folglich zu den alten Figuren des Schauspiels zu rechnen und in La Chaise-Dieu ersetzt worden.