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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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(Adam und Eva) oder ihn in ganz ungewöhnlicher Weise ergänzenund illustrieren. Sie sind völlig getrennt voneinander je auf einPfeilerfeld hingesetzt; der Bischof sitzt sogar, während die zweiToten desselben Pfeilers, statt die Lebenden zu fassen, in wunder-licher Stellung mit dem Finger irgend wohin deuten. Von den dreiToten des dritten Pfeilers sind zwei mit Bogen und Pfeil bewaffnet,der eine schiesst und der in halber Rückenansicht dargestellte Mann(Arzt ?) ist sogar von einem Pfeil getroffen; der dritte Tote beschäftigtsich, statt mit dem folgenden Jüngling, mit einer emporgehaltenenSchlange. Auch der Eremit und die folgende Gruppe der Un-benannten sind ohne jede kenntliche Beziehung zu ihren Toten hingestellt.

Aus allem geht mit Bestimmtheit hervor, dass der Maler derersten Gruppe, nachdem er die Disposition des ganzen Totentanzesgetroffen hatte, die glatten Wandflächen mit den dafür bestimmtenFiguren bedeckte und die Pfeiler für die darauf entfallenden Figurenfreiliess (mit Ausnahme der ebenfalls gleich anfangs gezeichnetenbeiden Prediger); worauf ein zweiter Maler die Lücken wohl nachdemselben Text, aber zum Teil in einem ganz anderen Sinne aus-füllte. Denn dass der erste Maler sein eigenes Werk mit so sinn-widrigen Einschiebungen unterbrach, wie die Malereien der mittlerenPfeiler, halte ich für ausgeschlossen.

Übrigens dürfte der Zeitabstand zwischen beiden Malereien, nachden Trachten zu schliessen, kein sehr grosser gewesen sein. Nurdas Bild des Sündenfalles wäre vielleicht davon auszunehmen; dennseine Zeichnung unterscheidet sich so vorteilhaft von allen übrigenFiguren desselben Gemäldes, dass es noch später als die eigentlichenErgänzungen angesetzt und einem anderen Maler zugeschriebenwerden könnte als dem Schöpfer der letzteren.

Die Totengestalten von La Chaise-Dieu zeichnen sich vor denenvon Paris dadurch aus, dass ihre Körper vollkommen intakt sind.Die Schädel dagegen sind, soweit nicht eine spätere Hand sie ver-besserte , recht unnatürlich, oft monströs und geradezu affenartiggeraten, ein Beweis, dass der Maler, dem wirkliche Totenschädeloffenbar unbekannt waren, doch der Tradition nachkam, seinen Toteneinen grausigen Ausdruck zu verleihen (Fig. 2,13). Wie ich schonhervorhob, sind nur bei fünf Toten die Füsse mit Zehen versehenund meist verzeichnet; alle übrigen Toten haben schnabelschuh-ähnliche Füsse und zwar besonders ausgeprägt in der älteren Gruppe.