Druckschrift 
Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

Totentanz gehört und daher in keinem anderen Totentanzbilde vor-kommt. Andererseits ist aber die Einreihung dieser Episode in dasPariser Gemälde von 1425 ganz verständlich, wenn man weiss, dassan derselben Kirche, deren Kirchhof dieses Gemälde enthielt, sicheine Skulptur jener Legende befand (Langlois I, S. 111).

Von den fünfzehn Bildern des eigentlichen Totentanzes*) ent-hält jedes in einer Umrahmung von Säulen und Bögen zwei Toteund zwei Lebende (nur Männer); der erste Tote fasst einen Lebenden,der darauf folgende Tote diesen und den zweiten Lebenden, so dassauf jedem Bilde ein zusammenhängender oder Kettenreigen von zweiPaaren entsteht (Fig. 5). Merkwürdigerweise giebt der schon er-wähnte Chronist an, die Danse macabre in Paris sei in zehn Arkadendes Kirchhofs gemalt gewesen, so dass in den sechs ersten je sechsStrophen (natürlich mit den zugehörigen Personen), in den vier letztenje acht Strophen vorhanden waren (vgl. Dufour, S. 9). Dies stimmt

mit

ihrer Verteilung

o

der gleichen Zahl 68 der gedruckten Strophen, aber nicht mitauf die siebzehn getrennten Bilder überein. Über-trägt man jene vom Chronisten angegebene Einteilung auf dengedruckten Totentanz, so ergäbe sich nicht nur eine ganz andere Ver-bindung der Paare, sondern auch vom zwölften Bilde an eine drei-malige Trennung eines Toten von seinem Partner**), eine natürlichganz unmögliche Einteilung. Dieser Widerspruch löst sich aber sehreinfach, wenn man berücksichtigt, dass die zehn Arkaden des Kirch-hofs, die das Gemälde und die Strophen enthielten, und die arkaden-artige Umrahmung der Holzschnitte, die den Text nicht mit umschliesst,gar nicht dieselbe Bedeutung haben können. Jene zehn Arkadenwaren offenbar die Bogenöffnungen des Kreuzganges, an dessenHinterwand die Danse macabre gemalt war, so dass ihre natürlicheGruppierung mit den Bogenöffnungen nicht übereinzustimmen brauchte.Auch liegt es auf der Hand, dass die Säulen und Bögen der Bildernur gemalt waren; denn verschiedene Gegenstände der letzterenreichen bis vor die Säulenbasen, die also in der Bildfläche lagen.

) Die allgemeine Ansprache des Todes, die im Schauspiel voranging, ist hier im Gemäldefortgelassen.

**) Dies hängt so zusammen, dass das elfte und das sechzehnte Bild des Drucks je eine über-zählige Person, den Annen des Wucherers und den letzten Toten hinter dem Eremiten, und folglichauch eine fünfte Strophe enthalten, während die vom Chronisten angegebene Einteilung nur in ge-raden Zahlen verläuft.