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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
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ein Toter die ganze Reihe des Totentanzes *), so dass dieser einenToten mehr zählt als Lebende.

Zur Belebung der langen, gleichmässigen Reihe diente auch derWechsel von geistlichen und weltlichen Personen in der Reihenfolgeder Paare, wobei Lehrer und Arzt wie üblich zur ersten Kategoriezählen. Doch wird dies, nach dem Lübecker und dem spanischenText zu schliessen, schon dem alten Schauspiel eigen gewesen sein.Im Gemälde finden sich übrigens Ausnahmen davon, indem auf demfünfzehnten Bilde der Advokat den Geistlichen vertritt und auf demsechzehnten Bilde der Eremit an der Stelle eines Weltlichen steht.Alle Lebenden sind in verhältnismässig ruhiger Stellung wieder-gegeben und meist nur durch ihre Tracht und ihre Attribute kennt-lich; bloss der Wucherer, der noch angesichtsdes Todes ein Geldgeschäft abschliesst, und derArzt, der den Urin im Glase prüfend betrachtet(Fig. 5), sind in ihrer Berufstätigkeit dargestellt.Bezeichnend ist auch' die Darstellung des Kindesin der Wiege.

Die Toten zeigen die für die alten Totentänzeangegebene Körperbildung: es sind fleischigeLeiber mit scheinbar nackten Totenschädeln. Dieletzteren können aber nicht wirklichen Schädelnnachgebildet sein; denn wenn sie auch in derVorderansicht durch die Andeutung der Augen-höhlen und der Löcher in der Nasen- und Mund-gegend einen Schädel eben noch kenntlich machen, so misslingt diesdoch dem Künstler in der Profilansicht der Köpfe, weil er dabei ausUnkenntnis immer die ganze Nase gezeichnet hat (Fig. 7) *). Dies lässtdarauf schliessen, dass auch die Vorbilder nur in der Vorderansichteine Schädelähnlichkeit hatten, also wahrscheinlich die oben ge-schilderten Masken des Schauspiels waren. Für den übrigen Körperkonnte sich der Künstler an dasselbe Vorbild im Schauspiel nichthalten und musste daher ebenso wie die Miniatoren wirkliche Leichen

Fig. 7-

Toter des Connetable

aus der Pariser Danse

macabre, nach

Le R 0 u x de L i n c y

et T i s s e r a n d.

) Die Worte dieses Toten sind eine Antwort an den Eremiten, entsprechen also den Ant-worten des Todes an jede bereits angesprochene Person, die bei den meisten übrigen Paaren ge-strichen wurden: ein weiteres Zeugnis dafür, dass der Bearbeiter des Textes sich so viel wie möglichan den ursprünglichen Schauspieltext hielt.

"") Der Tote des Franziskaners (Cordelier) hat ausnahmsweise Augen, Xase, Mund und Haupthaar.