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auch in Holzschnitten und Gemälden*). Eins jener Miniaturbilderin Brüssel reicht aber angeblich bis an den Ausgang des 13. Jahr-hunderts zurück, so dass wenigstens dieses letztere älter wäre als dasBadenweiler Gemälde von den drei Lebenden und den drei Toten,das nach Lübke in den Anfang des 14. Jahrhunderts gehört. Es liegtdaher die Vermutung sehr nahe, dass gerade jene ältesten Miniaturendie typische Totengestalt der folgenden Zeit aufbrachten, die zuerstin das Schauspiel, dann in die Gemälde des Totentanzes überging.Wie kamen aber die Miniatoren, die den Tod bis zum 13. Jahr-hundert einfach als alten Mann gezeichnet hatten (Frimmel), mit einemMale dazu, ihn mit einem Totenschädel auf einem fleischigen Körperauszustatten? Die leicht verständliche Ideenverbindung, einen Toten-leib zum Bilde des Todes zu wählen, konnte jene Figur nicht ver-anlasst haben; denn sie ist weder ein Skelett, in das sie sich erstam Ausgange des Mittelalters verwandelte, noch das annähernd rich-tige Bild einer noch fleischigen oder mumifizierten Leiche**), sonderneine widerspruchsvolle Vereinigung eines beinahe unversehrten Körpersmit einem skelettierten oder sonstwie umgebildeten Kopf. Besondersbezeichnend dafür sind das bereits erwähnte MARMioNsche Bildchenund der von Langlois kopierte Grabstein (angeblich vom Jahr 1422?);in beiden Fällen ist der ganze Körper, bis auf den völlig nackten,naturgetreuen Schädel, mit dem vollständigen, ebenfalls richtigen undkeineswegs besonders mageren Muskelrelief abgebildet, wobei nurdie grosse Öffnung am Bauch die leichenhafte Beschaffenheit desKörpers markieren soll. Beide Künstler haben also unzweifelhafteinen unversehrten (wahrscheinlich sogar lebenden) Körper und einenwirklichen Totenkopf als Modelle benutzt, die, wie gerade sie selbstwissen mussten, vereinigt nicht vorkommen. Man kann auch nichtsagen, dass dies die Folge davon war, dass damals Totenschädel injedem Beinhause anzutreffen und daher bekannt waren, nicht aberdas ganze Skelett in seinem Zusammenhange oder in voller Ver-wesung befindliche Leichen, und dass man daher, um einen Toten
*) Ein Holzschnitt dieser Art ist unter Nr. 38 faksimiliert im zweiten Bande der „frühesten undseltensten Drucke des Holz- und Metalldruckes" (Nr. 15). In der Strassburger Gemäldesammlungbefindet sich femer ein miniaturartig fein gemaltes Reisealtärchen von Simon Marmion (1489) miteiner ebensolchen Todesgestalt, deren Schädel mit vollkommener Naturtreue wiedergegeben ist,während der fleischige Körper bis auf den Bauchschlitz ganz intakt ist.
' ™) Mumienhafte Gestalten finde ich einzig und allein auf dem Berliner Totentanzgemälde, daswahrscheinlich um das Jahr 1500 entstand.