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war im ganzen einfach genug und durch den Aufbau der Dichtungbestimmt. Die Trachten und Attribute der verschiedenen Ständekonnten an öffentlichen Denkmälern, bei Festaufzügen und im ge-wöhnlichen Verkehr ebensogut studiert werden wie im Schauspiel.Nur eins, was weder durch den Text bestimmt noch im gewöhn-lichen Leben vorgebildet sein konnte und dennoch in allen Gemäldendes Totentanzes übereinstimmte, musste notwendig nach einem all-gemein bekannten, traditionellen Muster gebildet sein:
DIE TOTENGESTALTEN.
Diese Gestalten der mittelalterlichen Totentanzgemälde sind nackteoder nur mit Leichentüchern bedeckte Leiber von einer leichenhaftenMagerkeit und mit mehr oder weniger gelungenen nackten fleisch-losen Totenschädeln. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dadurchwirkliche Totenleiber wiedergegeben werden sollten.Denn genau dieselben Gestalten treffen wir in derältesten Illustration der bekannten Legende von dendrei Lebenden und den drei Toten in Badenweiler(vgl. Lübke Nr. 43), zum Teil auch in den tanzendenToten der ScHEDELSchen Weltchronik (Nr. 61) undnicht selten auf Grabmälern, in einer besonders guten,künstlerischen Ausführung auf einem von Langloiskopierten Grabstein (Nr. 3 5, Taf. XXXVII) , alsoin unzweideutigen Darstellungen von Verstorbenen(Fig 1). Mit gleicher Sicherheit kann man behaupten,dass diese Gestalten auch in den gemalten Toten-tänzen im allgemeinen dieselbe Bedeutung haben.Allerdings wird sich zeigen, dass in den ältestenGemälden dieser Art, die ja den einen „Tod" desSchauspiels vervielfältigen mussten, diese zahlreichenTotengestalten nicht sofort und überall unzweideutigals wirkliche Verstorbene hingestellt wurden. Aberdiese anfängliche Unsicherheit kann doch darüber nichttäuschen, dass sie diese Bedeutung alsbald ausnahms-los und ganz bestimmt erhielten. Wurden sie dochin den Druckausgaben der Danse macabre durchweg
Je mort", im späteren Frauenreigen „la morte"
Fig. 1.
Leichenstein aus dem
15. Jahrhundert,
nach Langlois.