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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Man kann von dem mittelalterlichen Schauspiel des Totentanzesnicht reden, ohne der gleichzeitigen und noch älteren anderen geist-lichen Schauspiele zu gedenken, die als Weihnachts-, Epiphanias-und namentlich als Oster- oder Passionsspiele bekannt sind. Zwischenbeiden Arten von Schauspielen scheint freilich keine andere Beziehungzu bestehen, als dass sie gleicherweise von der Geistlichkeit aus-gingen und in den Kirchen aufgeführt wurden. Dennoch dürfte nochein weiteres gemeinsames Moment hervorgehoben werden. Jene be-kannten Spiele entstanden im Zusammenhang mit dem Gottesdienstan den genannten hohen Kirchenfesten, und erst später und nurgelegentlich wurden sie mit passenden Ergänzungen (Schöpfung, Welt-ende u. s. w.) zu einem riesigen, christlich - kirchlichen Weltdramavereinigt. Es liegt auf der Hand, dass der Totentanz, obgleich indemselben Kreise entstanden, in diese wesentlich historischen Dar-stellungen nicht hineinpasste; dagegen ist es nicht von der Hand zuweisen, dass sein Ursprung ebenfalls mit einem besonders bewegtenGottesdienste verknüpft war, der eben kein anderer sein konnte alsdie Buss- und Fastenpredigt. Man braucht nur die Prologe undEpiloge der verschiedenen Totentänze zu lesen, um diese Ansichtberechtigt zu finden; und so würden diese Schauspiele ebenfalls alskirchliche Festspiele aufzufassen sein, die nur durch ihren besonderenInhalt sich von den übrigen geistlichen Schauspielen abschlössen.

Die Erfolge des geistlichen Schauspieles des Totentanzes ver-anlassten endlich im 15. Jahrhundert die französische Geistlichkeit,den Eindruck, den es auf die Zuschauer ausübte, sich dauernd zusichern, indem man es auf die Wände der Kirchen und Klöstermalen Hess. Diese Gemälde dienten also demselben Zweck, wie dasSchauspiel; wir besitzen selbst einen unmittelbaren Bericht darüber,dass in Paris auf dem Kirchhofe des Innocents angesichts des dortigenTotentanzgemäldes gepredigt wurde (Langlois, S. 123). Das Schau-spiel konnte aber, wie wir sahen, nicht ohne weiteres kopiert werden;der Maler musste dem ganzen Vorgang eine neue Gestalt verleihen.War diese neue Anordnung einmal festgestellt, so konnte er an derHand des Textes seiner Aufgabe leicht gerecht werden, auch wenner keine Gelegenheit hatte, einer Aufführung des Schauspieles bei-zuwohnen, denn der Inhalt der einzelnen Scenen des Totentanzes