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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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II

dass

kaum fehl gehen, wenn man seine Entstehung bis in das 13. Jahr-hundert zurückverlegt, wofür ich übrigens noch weitere Anhalts-punkte aus den Bildern beibringen werde. Es bedarf ferner keinesbesonderen Nachweises, dass es von der Kirche ausging, von denGeistlichen in Kirchen und Klöstern gepflegt wurde und gerade durchihre Vermittelung in die benachbarten Länder Eingang fand, sei esebenfalls als Schauspiel oder bloss in Niederschriften und in bildlichenDarstellungen. Sein kirchlicher Ursprung zeigt sich auch in seinemganzen Zuschnitt, wie er uns aus dem spanischen, französischen undnorddeutschen Text bekannt geworden ist. Nicht nur spielt darindas geistliche Element die Hauptrolle, sondern das eigentliche Schau-spiel wird uns geradezu als eine Illustration zu der kirchlichen Buss-predigt vorgeführt, indem zu Anfang stets ein Prediger auftritt, derdie Zuhörer anredet und auf die ernsten Lehren des folgendenSchauspieles hinweist. Erst nach dieser Einleitung tritt der Tod auf,um erst alle Sterblichen im ganzen (Spanien, Lübeck) und dann dieEinzelnen zu den Wechselreden aufzurufen, wobei die Geistlichen denVortritt haben. Endlich schliesst das Ganze wieder mit einer An-sprache eines zweiten Predigers.

Da der Tod des Schauspieles selbst vom Tanze spricht, zu demdie Lebenden mit ihm antreten müssen, so hat man sich zu denken,dass er jede Person, mit der er gesprochen, in einer Art von Tanzabführt, vielleicht in ein irgendwie angedeutetes Grab (Seelmann), umsich dann zur nächsten Person zu wenden. Woher dieser Gedankedes tanzenden Todes stammt, ist trotz aller gelehrten Diskussionendarüber noch unentschieden. Der Tanz macht es aber von vorn-herein wahrscheinlich, dass eine Musik dazu stattfand; doch findetsich keine Andeutung, dass im französischen Schauspiel der Todselbst musizierte*). Ich werde vielmehr zeigen, dass der Musikersich dort ausserhalb des eigentlichen Reigens befand; die musizieren-den Toten anderer, namentlich der oberdeutschen Totentänze, sinddagegen eine spätere Erfindung.

} Der Ausdruck ,,nach meiner Pfeife tanzen", den der Tod im Lübecker Text braucht, istals eine altbekannte Redensart nicht wörtlich zu nehmen. Die Illustration dazu, der pfeifende Vor-tänzer, ist ein späterer Zusatz (s. den Lübecker Totentanz).