lebhaften Tanzschritt bewegt und ihren Partner mit sich fortzieht,was eben den Tod des letzteren bedeutete. Die ganze Reihe sollteaber jeden Beschauer daran erinnern, dass vor dem Tode kein Standund kein Alter sicher seien, dass er alle in gleicher Weise undunversehens hinraffe. Der begleitende Text fügte dazu die Mahnungdes honeste vivendi et bene moriendi. In den Wechselreden zwischenden Vertretern der verschiedenen Stände und den sie führendenToten halten diese den ersteren die Vergänglichkeit ihrer irdischenMacht und Grösse, aller Lust und jedes Besitzes vor, da sie dochjetzt unweigerlich zum Tanze antreten müssten, der sie den übrigenToten einreiht. Die Lebenden antworten mit Klagen über ihr Schick-sal, dem sie sich resigniert fügen.
Die Übereinstimmung dieses Grundgedankens in allen Toten-tänzen weist natürlich auf eine gemeinsame Quelle aller hin. Wound in welcher Kunstform diese zu suchen sei, ist schon in der ver-schiedensten Weise beantwortet worden; ich kann aber die ganzefrühere Diskussion übergehen, nachdem die Frage durch die neuestenForschungen, wie mir scheint, mit aller Sicherheit entschieden ist.Einmal ist die lange Zeit festgehaltene Annahme, dass das Klingen-thaler oder Kleinbasler Totentanzgemälde 1312 entstand und daher dieälteste Darstellung dieser Art war, durch BimaaiARDT-BrJEDERMANN (Nr. 4,S. 44—48) widerlegt worden: die falsch gelesene Zahl lautete 1 512und bedeutete wahrscheinlich eine Übermalung des Bildes, die in jenerZeit stattgefunden haben muss. Infolge dieser Entdeckung sind wirauf die französischen Denkmäler als die ältesten datierten hingewiesen.Zweitens hat Seelmann (Nr. 65, S. 6 flg.) ganz schlagende Beweisedafür geliefert, dass der Totentanz in Frankreich als Drama begann.
Die älteste direkte Nachricht über den französischen Totentanzfindet sich bei einem französischen Dichter des 14. Jahrhunderts, derihn mit dem in Frankreich oder wenigstens in Paris üblichen Namen„Danse macabre" als eine bekannte Darstellung erwähnt (WackernagelNr. 73, S. 318, Kastner, S. 86). Dann ist der handschriftliche spa-nische Text „La danca general de la Muerte", wie schon längst an-erkannt ist (s. Ticknor I. yj) und Seelmann auf Grund des eigen-tümlichen Versmasses bestätigt hat (S. 10, 23), eine Bearbeitung desfranzösischen Textes aus dem 14. Jahrhundert. In dieser spanischenDichtung tritt nun der Tod selbst auf, der die Vertreter der ver-schiedenen Stände einzeln aufruft, ihre Klagen anhört und beantwortet.