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I.
ÜBER INHALT UND URSPRUNG DERTOTENTÄNZE.
IE Volkstümlichkeit des mittelalterlichen Totentanzeswar eine so grosse, dass wir ihm in allen Kunst-gattungen begegnen; mit aller Bestimmtheit wird unsüberliefert, dass er als Schauspiel von lebenden Personenaufgeführt wurde, unmittelbar kennen wir verschiedeneNiederschriften davon und endlich bildliche Darstellungen in Gemälden,Holzschnitten, Miniaturen und Bildhauerarbeit. Ebenso gross wiediese Mannigfaltigkeit seiner Erscheinung ist seine Verbreitung. Frei-lich ist seine eigentliche Heimstätte auf Frankreich und Deutschlandbeschränkt; von dort aus und namentlich von Frankreich drang dieDichtung auch nach Spanien, England und Italien vor, erreichte aberin diesen Ländern niemals das Mass von nachhaltiger Volkstümlich-keit wie in ihrer erstgenannten Heimat.
Alle diese Totentänze führen, trotz vieler Abweichungen imeinzelnen, denselben Grundgedanken aus. Sie schildern nicht dasSterben der Menschen schlechtweg wie die gleichzeitigen Todesbilder,namentlich in den Miniaturen, sondern verfolgen den besonderenZweck, das Memento mori jedermann besonders eindringlich zupredigen. Dazu dient vor allem die gleichzeitige Vorführung derverschiedensten Personen in der Todesnot sowie ein erläuternder Text,der die bildlichen oder scenischen Darstellungen begleitet. In denBildern — vom Schauspiel besitzen wir keine Beschreibung — siehtman in langer Reihe jeden Stand, vom höchsten an, und jedes Altervertreten, nicht selten auch Frauen neben den Männern; zu jederdieser Personen gesellt sich eine Totengestalt, die sich, oft nacheiner irgendwie kenntlich gemachten Musik, in einem feierlichen oder